Montag, 12.09.2005

Johannesburg International Airport

Es ist sehr angenehm, auf einem Langstreckenflug ohne totalen Jetlag aufzuwachen. Gegen sieben Uhr morgens kann ich mich nicht mehr gegen die Unruhe im Flugzeug wehren, kurz danach servieren die Flugbegleiter ein sehr kontinentales Frühstück. Mit ein wenig Verspätung landen wir um 9:20 auf dem Johannesburg International Airport. Hieß der nicht immer Jan Smuts Airport?

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Johannesburg, irgendein Vorort

Als erstes gehe ich zum South African Airways Schalter im Transferbereich, um die Bordkarte für meinen Weiterflug nach Gaborone zu bekommen. Es ist kurz nach halb zehn, der Weiterflug ist um 14:20. Auf meine Frage "Is there anything I can do in the meantime?" antwortet die Frau hinter der Theke breit grinsend: "Try shopping". Ist aber ohne Geld gar nicht so einfach. Einen Geldautomaten gibt es in der Abflughalle nicht, und als ich in der Wechselstube 30 Euro tauschen möchte, weist mich die Angestellte darauf hin, dass die Wechselgebühr 8 Euro betrage. Das ist zuviel. Die Zeit bis zum Weiterflug verbringe ich damit, zwischen den Läden hin- und herzulaufen. Duty Free Shops sehen auf der ganzen Welt gleich aus. Wer kauft eigentlich die ganze Toblerone, die da immer herumliegt? Zwischendurch finde ich einen kleinen Raum mit PCs, wo ich mir eine halbe Stunde Internet leiste. Die Langeweile ist aber dennoch immens. Einziges Highlight ist, dass ich mich daran erinnere, beim Anziehen der Wanderschuhe im Flugzeug ein etwas seltsames Gefühl verspürt zu haben. Ich ziehe den linken Schuh aus und finde darin eine amerikanische 25 Cent Münze. Wie die wohl dahingekommen ist?

Schließlich gehe ich in Richtung Abfluggate. Das liegt eine Etage tiefer und in einer etwas anderen Welt. Hier habe ich das erste Mal das Gefühl, in Afrika zu sein. Bei den nationalen und regionalen Flügen warten fast nur Schwarze, es sieht alles eine Nummer weniger hochglänzend aus. Zehn Minuten nach der Boarding-Zeit fährt ein Bus vor die gläserne Tür des Gate 30 und das Einsteigen beginnt. Im Bus fahren wir über das Rollfeld, bis uns der Fahrer an einer kleinen Maschine rauslässt, eine De Havilland Dash 8. Ich sitze in Sitz 1A und werde in der Bedienung der Notausgänge unterwiesen. Der Flug dauert eine knappe Stunde und ist sehr laut. Der Anflug auf Gaborone ist etwas rumpelig.

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Afrika!
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Dass der choc bar einen Bar-Code hat, kann ich verstehen. Aber wofür ist die Ladestandsanzeige?

Gaborone

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Sir Seretse Khama Airport (Weltflughafen)

Um 15:25 landen wir auf dem Sir Seretse Khama Airport. Das Rollfeld ist ein großes, rechteckiges und vor allem sehr leeres Stück Beton. Es gibt keine Markierungen auf dem Boden und keine Horden von emsigen Fahrzeugen. Ich steige als erster aus und ein Flughafen-Mitarbeiter weist mir den Weg zum International Arrivals Gate. Das sieht in etwas so aus: Am Rand des betonierten Rollfelds stehen zwei Schilder: "International Arrivals" und "Domestic Arrivals". Der Terminal liegt etwa 50 Meter vom Rollfeld weg und von jedem Schild aus führt ein Fußweg über den Rasen zu jeweils einer Tür im Gebäude. Aus der Entfernung sieht das Gebäude eher aus wie eine Sporthalle als ein internationaler Flughafen. Kaum zu glauben, dass wir hier 1990 mit einer großen Maschine auf einem Direktflug aus London gelandet sind. Ich würde das gerne fotografieren, erinnere mich aber daran, dass die Afrikaner da etwas empfindlich sind.

Meine Pole Position bei der Abfertigung verliere ich dadurch, dass ich nochmal kurz in Richtung Flugzeug zurückgehe, da ich nicht sicher bin, ob ich mein Gepäck schon mitnehmen muss. Andere Fluggäste haben aus einem kleinen Wagen einige Koffer herausgeholt, aber das entpuppt sich doch nur als Handgepäck. Die Einreiseprozedur geht schnell und ohne große Formalitäten. Gut, dass ich mich nochmal wegen Chrissis Adresse rückversichert habe. Die muss ich tatsächlich auf dem Formular eintragen. Mit einem Stempel mehr im Pass (und einem Besuchervisum für eine Woche) sammele ich mein Gepäck vom Band auf und gehe zum Zoll; die wollen auch nichts von mir wissen. Schon vor dem Betreten der Ankunftshalle höre ich eine sehr vertraute Stimme durch die automatische Tür. Und wirklich: Direkt hinter der Tür wartet das junge Mutterglück auf mich, Miles im Arm und im Gespräch mit einem älteren Mann.

Miles sieht sehr süß aus, obwohl er gerade eingeschlafen ist. Vor allem fällt aber auf, dass er wirklich kein bisschen schwarz ist. Lediglich die Nase hat er vom Vater geerbt, und er hat dunkle Augen und dunkle Haare, aber sogar die sind glatt. Chrissi sagt im Scherz, dass er ein richtiger "white nigger" sei.

Außerhalb des Gebäudes ist es ziemlich heiß. Nach der langen Zeit in Flugzeugen und klimatisierten Gebäuden kann ich es schlecht schätzen, aber um die dreißig Grad werden es an diesem Nachmittag schon sein. Die Luft ist staubtrocken. Die Fahrt vom Flughafen nach Hause dauert gute zwanzig Minuten. Alles sieht auf den ersten Blick sehr fremd aus. An Gaborone habe ich kaum noch Erinnerungen, aber Chrissi versichert mir, dass sich hier sehr viel verändert habe. Viele der Straßen, über die wir fahren, habe es 1990 noch gar nicht gegeben. Bevor wir nach Hause fahren, halten wir noch bei einer kleinen Mall, wo Chrissi in einer Apotheke ein Medikament bestellt hat. Das ist aber noch nicht geliefert, aber ihr Mann könne es später gerne abholen. Es wirkt vielleicht etwas komisch, als Chrissi erklärt, dass der Mann an ihrer Seite nicht der Mann an ihrer Seite ist, aber die Apothekerin würde sich auch bestimmt wundern, wenn später statt meiner der deutlich dunkelhäutigere Victor das Medikament abholt.

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The Stegling Mansion

Chrissis und Victors liegt in einem Wohngebiet am Ende einer Sackgasse. Von außen sieht man nicht viel, denn das Grundstück ist von einer zwei Meter hohen Mauer umgeben und mit einem breiten, grünen Tor gesichert. Erst wenige Wochen zuvor sind Chrissi und ihre Mutter beim Fußweg nach Hause fast vor der Haustür überfallen worden. Daher bittet sie mich auch, hier nicht allein herumzulaufen.

Das Haus macht einen sehr behaglichen Eindruck. Vor allem fällt auf, dass es blitzblank sauber ist. Chrissi führt mich durch Wohnzimmer und Küche, zeigt mir mein Schlafzimmer und ich lade dankbar meine Rucksäcke ab. Dann stellt sie mir die anderen Bewohner des Grundstücks vor. Da ist zum einen Boitumelo, die Maid, die das Haus in Schuss hält und tagsüber auf Miles aufpasst. Boitumelo wohnt bei Chrissi und Victor auf dem Grundstück in einem Anbau zum Haus. Zum anderen wohnt dort noch Penny, der einäugige Schäferhund. Penny heißt aber in Wirklichkeit Penny Off!, zumindest wird sie von allen so genannt.

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Penny off!

An diesem Tag machen wir nicht mehr viel. Ich bin zeimlich geschafft von der langen Tour und genieße es sehr, mit Chrissi und Miles auf der Terrasse zu sitzen, zu erzählen und zuzuhören, wie Chrissi von Land und Leuten erzählt. Sie weiht mich in die Pläne ein, die sie für die nächsten Tage geschmiedet hat, wofür ich sehr dankbar bin. In totaler Ignoranz habe ich mich drauf verlassen, dass sie schon ein paar schöne Dinge für uns organisieren wird und so habe ich keinen Reiseführer gelesen oder mich sonstwie vorbereitet. Ganz lieb ist, dass sie sich ein paar Tage frei genommen hat. Lediglich am Mittwoch wird BONELA sie tagsüber in Anspruch nehmen, da Besuch von einer Delegation möglicher Geldgeber erwartet wird.

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Nur noch 8799km bis nach Hause.

Es wird sehr früh dunkel. Am 24. Breitengrad geht im September gegen 18:15 die Sonne unter, danach ist es schnell stockfinster. Als Victor von der Arbeit aus Molepolole nach Hause kommt, essen wir gemeinsam und bewundern vor allem die ganzen Babysachen, die mir Familie Krott mitgegeben hat. Nachts kann ich nicht gut schlafen, da alle Hunde in der Nachbarschaft sich in einem Bell-Konzert über die Neuigkeiten des Tages austauschen, aber das ist hier ganz normal.


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