Dienstag, 13.09.2005

Gaborone

Schrrrrappp, schrrrrrappp macht der Besen auf dem sandigen Boden, als Boitumelo um halb acht morgens den Hof fegt. Ich werde wach davon, schlafe aber bis 9:30 weiter. Mein erstes Frühstück in diesem Urlaub gibt es auf der Terrasse. Chrissi hat gewartet und so können wir zusammen essen.

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Frühstück mit Chrissi und Miles

An diesem Tag wollen wir nicht viel unternehmen. Chrissi schlägt vor, eine längere Tour durch Gaborone zu machen, um mir ein wenig die Stadt zu zeigen. Am Vormittag müssen wir mit Miles zum Augenarzt, mittags sind wir mit der Freundin Grace zum Essen verabredet. Abends wollen wir mit Victor grillen, dafür müssen wir noch einkaufen. Klingt gut. Allerdings artet schon der erste Termin etwas in Stress aus: Der Augenarzttermin ist gar nicht um 11:40, wie vermutet, sondern schon eine Stunde früher. Das schaffen wir nicht, können den Termin aber auf 12:00 verlegen. Das verschiebt auch unser Mittagsdate, aber vielleicht sollte ich versuchen, solche Dinge in der nächsten Zeit nicht allzu genau zu nehmen...

Auf dem Weg zur Augenärztin fahren wir quer durch Gaborone. Mit etwas wacheren Augen nehme ich einige Eindrücke mehr mit als gestern, auf dem Weg vom Flughafen. Wir fahren auf einer der vierspurigen Hauptstraßen an der University of Botswana, dem Gaborone Sun Hotel und einigen anderen markanten Punkten vorbei. Was mich sehr irritiert, ist, dass ich gar keinen richtigen Eindruck davon gewinne, ob wir nun nahe am Stadtzentrum sind, oder uns davon entfernen. Mit meinen europäischen Augen fehlt mir das Gespür für urbane Strukturen. Alles sieht irgendwie nach Vorstadt aus: breite Straßen, daneben ein recht breiter Streifen Brachland und in etwa 10 Metern Entfernung von der Fahrbahn eine Mauer um ein Grundstück herum. Es ist auch im ersten Moment schwer zu bewerten, ob die Häuser am Straßenrand nun in einer guten oder schlechten Wohngegend stehen. Ich merke, dass ich meine Sensoren für solche Dinge in den nächsten Tagen neu justieren muss. Hilfreich ist immerhin das GPS Gerät, mit dem ich recht schnell einen gewissen Eindruck von der Struktur der Stadt gewinne. Ein Stadtplan würde es wahrscheinlich auch tun, aber ich habe keinen zur Hand.

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Fahrt durch Gaborone, mitten durch das Stadtzentrum

Die Augenärztin hat ihre Praxis in einem Ärztehaus. Im Wartezimmer ist einiges los, wir werden wohl nicht direkt drankommen. Obwohl Chrissi schonmal hier war, müssen wir für Miles einen neuen Patientenbogen ausfüllen. Das ist nicht immer ganz leicht, denn die Felder auf dem Bogen machen nicht immer klar, ob der Versicherte (Victor) oder der Patient (Miles) gemeint ist. Hinterher sieht es so aus, als ob Chrissi mit ihrem Sohn verheiratet ist, aber das ist auch egal, die Sprechstundenhelferinnen werden es schon verstehen. Die knappe Dreiviertelstunde Wartezeit verbringen wir damit, dass Chrissi mir in groben Zügen das Gesundheitssystem erklärt und Miles sein Mittagessen in Form von 200ml formula milk aus der Flasche vertilgt. Dann sind wir dran und gehen zu dritt ins Sprechzimmer. Die Ärztin ist eine freundliche Frau mittleren Alters, die Chrissi duetlich beruhigt, dass mit dem Auge ihres Sohns nichts Schlimmes los sei. Da wir aber gerade da sind, macht sie noch einige andere Routineuntersuchungen. Ist aber alles in Ordnung.

Nach dem Arztbesuch beeilen wir uns, noch halbwegs rechtzeitig zu unserem Treffen mit Grace und ihrer Tochter Beth zu kommen. Wir haben zwar angerufen, dass wir später kommen als geplant (dass wir überhaupt anrufen, findet Grace schon seltsam, schiebt es aber auf meinen Einfluss), aber auch um den späteren Termin hinzukriegen, müssen wir ein wenig Gas geben. Zum Mittagessen sind wir bei Sanitas verabredet, einem großen Gartenbaumarkt, an den ein gemütliches Gartenrestaurant angeschlossen ist. Interessante Kombination, funktioniert aber ganz gut. An Gartenmöbeln und Pflanzen vorbei bahnen wir unseren Weg zum Restaurant, wo wir uns an einem großen Tisch im Schatten niederlassen. Grace ist noch nicht da und braucht auch noch ein wenig.

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Sanitas, Gartencenter und Café Grace mit Tochter Beth

Als sie und ihre Tochter schließlich doch auftauchen, lerne ich eine sehr sympathische und gutaussehende junge Frau kennen. Sie ist verheiratet mit Jahapa, dem Adoptivsohn der Familie Schneider. Sie ist Britin und mit Jahapa zusammen vor nicht allzu langer Zeit aus London nach Gaborone gezogen. Beth ist etwa so alt wie Miles, also ca. drei Monate. Die Unterhaltung geht prima, wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut. Zum Abschied lädt Grace uns noch für Donnerstag zu einem Braai, einem Grillabend, ein. Außerdem können wir bei dieser Gelegenheit auch gerne bei ihnen in den Pool springen. Grillen ist prima und bei den Temperaturen finde sogar ich die Idee eines Swimming Pools nicht ganz abwegig. Zwischendurch kommt noch Moses, der Fahrer von Chrissis Organsisation, vorbei, weil noch ein wichtiger Brief unterschrieben werden muss. Die Frau ist immer im Dienst.

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Ungewöhnliche Duftrichtung "Gelächter" auf der Herrentoilette Nicht der Todesstern, sondern das Gesundheitsministerium.

Auf dem Weg zum Einkaufen drehen wir eine große Runde durch die Stadt. Hier versagt mein Ortsgefühl wieder, obwohl es im Regierungsviertel einige signifikante Hochhäuser gibt, an denen man sich eigentlich orientieren kann. An allen Ecken und Enden weist mich Chrissi darauf hin, wie stark Gaborone selbst in der Zeit, seit sie in Botswana wohnt (1999), gewachsen ist. Lediglich an die Mall, die Fußgängerzone im Herzen der Stadt, habe ich ein paar Erinnerungen -- wenn auch schemenhaft. Am einen Ende der Mall liegt das Parlamentsgebäude, am anderen Ende das Nationalmuseum. Chrissi schlägt vor, dass ich mir diesen Teil der Stadt morgen, an meinem "freien" Tag, gut allein anschauen kann. Hier ist es einigermaßen sicher und ich komme gut von hier aus zu ihrem Büro.

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Riverwalk Mall

Am späten Nachmittag fahren wir weiter zur Riverwalk Mall, einem sehr modernen Einkaufszentrum im Süden der Stadt. Hier sieht es wiederum gar nicht nach Afrika aus, bzw. wenn, dann nach Südafrika, denn die Läden sind zum großen Teil Filialen großer südafrikanischer Ketten. Diese Mall hat den Vorteil, dass sie offen gebaut ist und man -- wenn auch sonnengeschützt -- nicht die ganze Zeit von einer Klimaanlage abgekühlt wird. Lebensmittel kaufen wir im Pick n' Pay, einem großen Supermarkt, der sich kaum von einem Geschäft bei uns unterscheidet. Ich habe angeboten, mal ein Risotto zu kochen, wofür wir die Zutaten kaufen. Danach schauen wir bei Ackerman's rein, einem Bekleidungsgeschäft für Kinder. Dort kaufen wir ein paar T-Shirts und Hosen für Miles. An einem Geldautomaten im ersten Stock der Mall hebe ich dann endlich meine ersten Pula ab. Eineinhalb Tage ohne Bargeld herumzulaufen ist schon ein wenig blöd. Ich hätte es kaum glauben wollen, aber der Geldautomat trägt wirklich kein Maestro Logo, aber da habe ich ja vorgesorgt und kann mit der Visa Plus Karte der Postbank trotzdem Geld abheben. Ohne groß nachzudenken, hebe ich 2000 Pula ab, was knapp 300 Euro entspricht. Dass das viel zu viel ist, merke ich erst, als ich das Geld in der Hand habe und grob überschlage, wieviel ich in den nächsten Tagen wohl brauchen werde.

Bevor wir die Mall verlassen, schaue ich noch kurz bei Liquorama rein, um ein paar Flaschen Bier und Wein zu kaufen. Für Bier muss man auf jeden Fall in diese Alkoholgeschäfte gehen, das kann man nicht im Supermarkt kaufen. Im Liquorama begleitet mich ein junger Mann durch den Laden, der meinen Einkaufskorb trägt. Ob das hier übliche Höflichkeit ist oder ob er Angst hat, dass ich meinen großen Rucksack voller Flaschen packe und klaue, wird mir bis zum Ende nicht klar. Angenehm ist es auf jeden Fall, wenn man seine Ware nicht selbst tragen muss.

Das Braai am Abend wird sehr lecker. Außer dem Fleisch macht Chrissi noch eine große Schüssel cole slaw. Ich bin ganz begeistert von dem Lammfleisch. Ansonsten bin ich ja kein großer Fan davon, aber dieses hier schmeckt ganz ausgezeichnet.


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