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An meinem letzten (ganzen) Tag in Botswana wollen wir Tiere gucken. Ursprünglich hatte Chrissi die Idee, in das Game Reserve nach Mokolodi zu fahren. Doch ein wenig Recherche liefert das Ergebnis, dass man dort nur geführte Touren machen kann und dass es recht teuer ist. Als Ersatz dafür fahren wir gegen Mittag zum Gaborone Game Reserve, einem Wildpark der direkt in Gaborone, östlich vom Zentrum liegt. Der ist zwar nicht so groß, es gibt auch nicht die "Big 5" (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) zu sehen, aber dafür ist es sehr nah und deutlich preiswerter.
In der prallen Mittagssonne erreichen wir das Tor zum Reservat. Ist eigentlich die schlechteste Tageszeit, um die Tiere zu beobachten, aber daran können wir jetzt auch nichts ändern. Netterweise haben wir immer noch den Pajero, sodass es nicht ganz eng im Auto ist. Ich steige aus und kaufe die Eintrittskarten. Eigentlich nur eine einzige Eintrittskarte für alle. Und wenn schon eine einfache Eintrittskarte so aufwändig gestaltet ist, möchte ich gerne mal eine Abschlussurkunde der University of Botswana sehen. Handgeschöpftes Büttenpapier? Goldrand?
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| Das Tor zum Gaborone Game Reserve | |
Neben der Eintrittskarte drückt mir der Mitarbeiter noch eine Karte des Wildparks in die Hand. Die wirkt im Vergleich zu der Eintrittsurkunde eher spärlich: Die ca. 14. Generation einer Fotokopie. Irgendwann in ihrer Abstammungsgeschichte muss sie mal durch ein Faxgerät gezogen worden sein (das würde die Streifen erklären), sie war mal gelocht (die beiden Löcher am Rand) und die Legende ist nicht zu lesen, so zerstückelt sind die Buchstaben. Es scheint, als ob das GPS uns heute das erste Mal wirklich sinnvoll unterstützen sollte. Ich sitze vorne und werde zum Navigator ernannt. Und tatsächlich: Mit jedem Meter, den wir fahren, baut sich auf dem Display des eTrex eine Karte auf. Zusammen mit der offiziellen Karte ergibt sich eine gute Orientierung.
Wir machen uns auf die Suche nach den Tieren. Als erstes sehen wir ein Rudel Warzenschweine. Monica meinte, im Gaborone Game Reserve gebe es ausschließlich Warzenschweine und gar keine anderen Tiere. Doch die Fauna straft sie Lügen: Die nächsten Tiere sind Impalas, Kudus und Baboons.
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| Warzenschweine | Impala | Dieser Strauß sieht aus wie eine abgehalfterte Drag Queen. |
Auf einem Rastplatz pausieren wir. Allerdings haben wir den Rastplatz nicht für uns allein: Eine etwas größere Horde Baboons wartet darauf, dass wir unachtsam sind im Umgang mit unseren Lebensmitteln. Das wäre für sie das Signal zum Angriff, um uns unser Essen zu stehlen. Victor versucht, die Paviane zu vertreiben (er droht mit Stockhieben). Aber schließlich ist es Liz, die mit einem beherzten Schlag auf eine Bank einen Affen, der sich gerade eine Tüte Äpfel gemopst hat, so erschreckt, dass er die Beute fallen lässt. Right on!
Lange bleiben wir nicht mehr auf dem Rastplatz. Außerdem picknicken wir illegal, denn für ein Picknick braucht man eine kostenpflichtige Erlaubnis, wie ich auf der Eintrittsurkunde lesen kann.
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| Auf Victors T-Shirt steht auf der Rückseite: "Violence is not a part of our culture. It's a crime." | Liz schaut selbstzufrieden, nachdem sie unsere Äpfel gerettet hat. |
Knapp zwei Stunden lang fahren kreuz und quer, hin und zurück durch den Park und schaffen es, alle Tierarten zu sehen, die es dort gibt. Bis auf die Zebras. Auf der Karte ist an eine Stelle ein Zebra eingezeichnet. In der leisen Hoffnung, dass dieses Piktogramm andeuten soll, dass dort der Zebra-Lieblings-Abhängplatz ist, geben wir den Tieren eine letzte Chance, uns zu sehen und fahren nochmal zwanzig Minuten durch den Park. Doch auch das ist fruchtlos. Schade. Wir geben auf und fahren zum Haupttor zurück. Und siehe dort: In Sichtweite des Kassenhäuschens, 200m vom Tor entfernt stehen drei Zebras im Busch. Netterweise bleiben sie dort sogar ein wenig stehen und lassen sich fotografieren.
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| Kurz vor dem Ausgang haben sich die Zebras versteckt. | |
Weil wir so lange ausgehalten haben, fahren wir zur Belohnung auf einen Kaffee in die Riverwalk Mall. Victor, Liz und ich schauen vorher bei Pick n' Pay vorbei, um für das Abendessen einzukaufen. Chrissi füttert derweil ihren Sohn im Café.
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| Letzter gemeinsamer Kaffee in der Riverwalk Mall nach der Foto-Safari im städtischen Wildpark. | ||
Dann geht es nach Hause, wo ich endlich mal ein wenig ausspanne. Victor und Liz fahren zum Bahnhof, um eine Fahrkarte für sie zu kaufen. Sie fährt mit dem Nachtzug nach Francistown und ist sehr aufgeregt, weil sie noch nie im Ausland Zug gefahren ist. Kann ich verstehen. Öffentliche Verkehrsmittel im Ausland sind immer ein kleines Abenteuer. Da spielt es kaum eine Rolle, ob das jetzt ein Bus in London, die U-Bahn in Sydney oder ein Nachtzug in Botswana ist. Bis man Pläne und Tarife verstanden hat, dauert es immer eine Weile.
Chrissi und ich schauen uns derweil ihre alten Ramatea-Fotos an. Hier wird nochmal deutlich, wie stark sich Ramatea in den letzten Jahren verändert hat. Auch ihre Hochzeitsbilder holen wir nochmal raus. Liz ist mittlerweile so an dieser Deutschland/Botswana Verbindung interessiert, dass sie nach ihrer Rückkehr vom Bahnhof die Bilder auch nochmal sehen möchte. Auf dem Rückweg vom Bahnhof waren die beiden noch bei Maame, um ihren Fernseher auszuleihen. Sie braucht ihn nicht mehr und wir haben somit doch die Gelegenheit, die Berichterstattung über die Bundestagswahl zu schauen. Da Deutsche Welle um diese Zeit nicht empfangbar ist, schauen wir die Wahlberichte auf CNN an, was erstaunlicherweise ganz gut ist. Nebenbei koche ich noch einen Topf Pasta mit Gemüse.
Um Halb neun heißt es dann, Abschied von Liz zu nehmen. Eine sehr sympathische Person, die sich prima in eine sehr feste Gruppe integriert hat. Wir tauschen noch unsere Mailadressen aus, dann fährt Victor sie zum Bahnhof.
Auch bei mir kündigt sich der Abschied an. Ich beginne zu packen und stelle dabei eher zufällig fest, dass mein Flug am nächsten Tag nicht um 12:00, sondern schon um 10:20 ab Gabronoe fliegt. Das wäre fast ins Auge gegangen. Das ändert natürlich den Zeitplan für den nächsten Tag.
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