Montag, 19.09.2005

Gaborone

Heute muss ich früh aufstehen. Um 06:30 klingelt der Wecker. Etwas verschlafen verabschiede ich mich von Victor, der kurz darauf nach Molepolole aufbricht. Weil heute ein normaler Arbeitstag ist, nehmen wir unser Frühstück nicht wie sonst auf der Terrasse ein, sondern im Wohnzimmer.

Mein Flug geht um 10:20, ich möchte gerne gegen 09:30 am Sir Seretse Khama Airport sein. Bis dahin fahre ich mit Chrissi ins Büro, wo ich ein letztes Mal versuchen möchte, die BONELA Newsletter nach PDF zu konvertieren. Mit der von Jahapa geliehenen Software geht es zwar, aber so ganz bin ich noch nicht zufrieden. Doch nun kann ich mich nicht weiter darum kümmern. Die Arbeitsatmosphäre bei Bonela ist an diesem Montag Morgen sehr fröhlich. Die Kolleginnen rufen laut durch die Büros, allerdings kann das auch die sprachgesteuerte Druckerqueue sein: Wenn jemand auf Briefpapier drucken will, wird dies durch lautes Rufen bekannt gegeben. Dann darf niemand sonst drucken.

Chrissi hat dankenswerterweise die Montagsrunde mit ihren Mitarbeiterinnen verschoben, um mich zum Flughafen zu fahren. Sie möchte gerne dabei sein, wenn ich meine überzähligen Pula in Rand eintausche. Damit ich nicht über den Tisch gezogen werde. Der Flughafen ist ziemlich klein, weswegen das Einchecken auch sehr schnell geht. Bei der Wechselstube erhalte ich meine ersten paar hundert Rand, dann verabschiede ich mich von Chrissi. Die Woche war wirklich toll und ist vor allem sehr schnell vergangen. Der Abschied ist nicht für lange, wir sehen uns ja schon Weihnachten wieder.

Die Ausreiseformalitäten sind schnell erledigt und ich laufe durch das "International Departures" Gate auf das Rollfeld. Dort warten drei Maschinen auf Passagiere. Laut Reieseplan ist die Maschine ein Canadair Regional Jet, also steuere ich das einzige Düsenflugzeug an, frage beim Einsteigen aber nochmal nach, ob das auch der Flug nach Kapstadt ist. Ist er. Die Flugbegleiterin bittet mich, auf einem anderen Sitz Platz zu nehmen, als auf der Bordkarte steht, sie braucht noch jemanden, der den Notausgang bedient. Das ohnehin kleine Flugzeug hat heute nur 15 Passagiere an Bord. Solange ich am Fenster sitzen kann, ist mir das recht. Etwas unangenehm wird es, als die Flugbegleiterin alle Gepäckfächer öffnet und eine Spraydose im ganzen Flugzeug entleert. Offenbar ein Desinfektionsspray, aber das Gas ist so stark parfümiert, dass es richtig schwer wird zu atmen. Erst nach längerer Zeit hat sich der Geruch verflüchtigt. War sehr unangenehm.

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Auf Wiedersehen Sir Seretse Khama Airport

Dieses Mal traue ich mich, zu fragen, ob der Pilot das GPS ins Cockpit nehmen kann, denn damit kann ich -- wie bei den Autofahrten auch -- die Flugroute mitschreiben und hinterher am Computer nachvollziehen. Die Flugbegleiterin öffnet die Cockpit Tür und ich trage meine Bitte an den Captain heran. Kein Problem, ich solle das Gerät anschalten und er stellt es auf das Instrumentenpanel. Klasse!

Nach dem Start habe ich einen tollen Blick auf Gaborone, das wieder ganz wolkenlosen Himmel über sich hat. Die Sonne brennt schon vormittags mit den vorausgesagten 34 Grad auf die Stadt hinab. Was die Temperatur angeht, bin ich ganz froh, ins kühlere Kapstadt zu fliegen.

Kurz nach dem Start bittet mich die Flugbegleiterin erneut ins Cockpit. Dort zeigt der Captain auf mein GPS, das immer noch keine Satelliten geortet hat. Schade. Keine Ahnung, woran das liegt. Ich danke ihm trotzdem für sein Mühe und gehe zurück zum Platz. Für Spaß lege ich das Gerät auf die Armlehne unterhalb des Fensters und schalte es erneut an. Erstaunlich: Ganz schnell erkennt es einige Satelliten und ich habe mein persönliches Inflight GPS. Geschwindigkeit, Flughöhe und Flugroute kann ich prima ablesen.

Kapstadt

Langsam verlassen wir die trockene Gegend. Die Reise nähert sich dem feuchten Klima am Kap der Guten Hoffnung. Die Landung über der Metropole Kapstadt ist spannend. Leider sitze ich zur falschen Seite, also ohne Blick auf den Tafelberg.

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Wolken kleben an den Bergen in der Kapregion

Die Einreise-Prozedur ist schnell erledigt und der Rucksack ist auch schon da, als ich die Halle mit den Gepäckbändern betrete. Diese kleinen Flugzeuge sind ja bei Wind etwas empfindlich, aber dafür ist es sehr angenehm, wenn nur 15 und nicht 400 Passagiere durch die Immigration und den Zoll müssen.

Ein paar Minuten vor der erwarteten Zeit trete ich in die Ankunftshalle und halte Ausschau nach Adam, dem Vermieter des Zimmers, das ich für die nächsten zwei Wochen gemietet habe. Auf seiner Website steht, dass man ihn am Hund erkennt, aber einen Hund sehe ich auch nicht. Nach zehn Minuten betritt ein blonder, barfüßiger Mann (Typ: Surfer) die Halle und sieht mich fragend an. Er zeigt verstohlen auf ein kleines Schild, auf dem "Alexander" steht und ich nicke zurück. Bernd ist als Ersatz für Adam gekommen, der ganz kurzfristig nach Deutschland musste.

Die Fahrt vom Flughafen zur Innenstadt führt über die Autobahn N2. Entlang der Straße sind große Townships zu sehen, in etwa 10km Entfernung erhebt sich der Tafelberg. Ich bin ziemlich überwältigt: Nach dem staubigen und trockenen Gaborone fühle ich mich wie in Europa. Um mich herum ist alles grün und die Luftfeuchtigkeit macht das Atmen viel angenehmer. Meine Nasenschleimhäute nehmen das wohlwollend zur Kenntnis.

Wir fahren am Rand der City Bowl entlang nach Tamboerskloof, einem innerstädtischen Vorort am Fuße des Signal Hill. Die Straße windet sich wie eine Achterbahn am Berghang entlang und der Ausblick auf die Innenstadt ist toll: Eingerahmt von Bergen und zur Nordseite dem Meer zugewandt drängen sich die Innenstadt und einige Wohngebiete in diesen Kessel. Der Verkehr ist um diese Zeit nicht besonders dicht und wirkt auch etwas gewohnter als in Gaborone. Auf jeden Fall funktionieren meine Sensoren für urbane Strukturen hier direkt viel besser als in Botswana.

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Großstadtschock: Hier sieht alles viel weniger nach Afrika aus als in Gaborone.

Tamboerskloof entpuppt sich schon beim Durchfahren als ein sehr lebendiges Viertel. An den Durchgangsstraßen wie der Kloof Street drängen sich kleine Läden, Restaurants und Cafés, die Seitenstraßen sind aber sehr ruhig. Dort stehen kleinere Häuser und gelegentlich ein paar Wohnblöcke. Die Tamboerskloofroad, in der Adam's Place liegt, ist eine schmale Straße in zweiter Reihe hinter der Kloofnek Road, der Straße, die sich in Richtung Süden den Berg hinaufwindet.

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Tamboerskloof. Ein hübscher innerstädtischer Vorort.

Das Haus, in dem ich die nächsten zwei Wochen verbringen werde, ist ein viktorianisches Haus, das etwas erhoben am Hang steht. Nach zwei immer(!) verschlossenen Gittertüren betreten Bernd und ich den langen Flur, von dem die sechs Gästezimmer abgehen. Ganz am Ende öffnet sich der Flur in die große Wohnküche. Mein Zimmer ist das Kaminzimmer auf der linken Seite des Flurs. Es ist schön eingerichtet. Nur die Matratze ist ziemlich durchgelegen.

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Adam's Place in der Tamboerskloofroad Nr. 14

Während Bernd noch nach den Wohnungsschlüsseln sucht, kommt Netti, Adams Freundin, um mich willkommen zu heißen und die Formalitäten wegen des Mietwagens zu regeln. Sie erklärt mir die Wohnung, die Alarmanlage und zeigt mir mein Auto: Ein Citi Golf, in Deutschland würde man das einen Golf I nennen. Dieses Modell wird in Südafrika immer noch neu produziert. Mein Wagen ist ein 97er Baujahr. Braucht aber trotzdem verbleites Superbenzin, das man hier aber an jeder Tankstelle bekommt. Netti zeigt mir, wie ich die Lenkradsperre anbringe und schärft mir ein, diese auch zu benutzen.

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Mein Auto. Ohne jeden Komfort, aber dafür preiswert und nach ein paar ersten Macken auch zuverlässig.

Am frühen Nachmittag bin ich wieder allein in der Wohnung, räume meine Klamotten ins Regal und sehe mich erst einmal etwas genauer um. Sieht sehr nett aus hier. Allerdings anders, als ich erwartet hatte. Ich bin davon ausgegangen, dass hier hauptsächlich Touristen wohnen. Ich hatte mir eine Art Bed & Breakfast, aber ohne Breakfast vorgestellt. Stattdessen bin ich in einer Studenten-WG gelandet. Auch nicht schlecht, auf die Mitbewohner bin ich auf jeden Fall sehr gespannt.

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Das Kaminzimmer, der Flur, die ausnahmsweise mal gut aufgeräumte Küche und der Hof, in dem man auch prima grillen kann.

Für einen großen Ausflug ist es mittlerweile ein wenig zu spät geworden. Aber für einen Spaziergang durch die Innenstadt sollte die Zeit noch reichen. Netti hat mich gewarnt, nach 17 Uhr nicht mehr allein durch die City zu laufen, da dann die Läden schließen und es etwas ungemütlich wird. Bis dahin sind es aber noch gut drei Stunden. So laufe ich die Kloof Street und die Long Street hinunter, biege auf den Greenmarket Square ab und lasse mich durch die Fußgängerzone bis zum Hafen treiben. Wirklich auffallend sind die immer präsenten Sicherheitskräfte, seien es berittene Polizisten oder aber private Sicherheitsdienste. Selbst Buchhandlungen haben vergitterte Türen, die erst nach der Betätigung einer Klingel geöffnet werden. Außerdem fallen mir die vielen Parking Attendants auf. Das sind Leute, die ihr Geld damit verdienen, auf einem bestimmten Straßenabschnitt auf die Autos aufzupassen und die Autofahrer in Parklücken einzuweisen. Dafür bekommen sie dann ein Trinkgeld von zwei bis fünf Rand, je nachdem, wie lange man weg war. So etwas habe ich sonst noch nicht gesehen. Es scheint fast unmöglich zu sein, einen Parkplatz zu finden, der nicht in der Weise privat bewirtschaftet wird.

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Der Tafelberg überragt die City Bowl

Bevor ich wieder nach Hause gehe, suche ich noch ein Internetcafé auf, um nach Mail und Neuigkeiten über die Bundestagswahl zu schauen. Außerdem gehe ich bei einem überteuerten Spar-Markt Zutaten für die Frühstücke der nächsten Tage einkaufen. Nach zwei Stunden komme ich mit Lebensmitteln bepackt wieder in der Tamboerskloofroad 14 an. Dort lerne ich Regine kennen, eine der Mitbewohnerinnen. Sie ist Rechtsrefrendarin aus München, die die Wahlstation ihres Referendariats in Kapstadt verbringt. Oder eher verbracht hat: Sie wird noch vor mir wieder nach Deutschland zurückkehren. Wir unterhalten uns ein wenig und sie sagt mir, dass wir die nächste Woche zu viert allein sein werden, weil "die Jungs" unterwegs auf der Garden Route seien.

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Tessa Steffi Regine Alexander und Matthias

Etwas später am Nachmittag kommen auch Tessa und Steffi nach Hause. Sie studieren beide in Berlin Betriebswirtschaft und verbringen ein Auslandstrimester an der University of Cape Town (UCT). Die beiden machen einen sehr sympathischen Eindruck: Offen und interessiert. Das wird bestimmt eine lustige Zeit mit ihnen. Steffi weist mich noch in eine der wichtigen Aufgaben im Haus ein: Kakerlaken töten. Irgendwoher krabbeln diese fiesen Tierchen durch die Küche. Wenn eine zu sehen ist, wird sie mit einem beherzten Schuss aus der "Doom" Spraydose vergiftet und vorsichtig mit etwas Klopapier in den Mülleimer befördert. Da die Biester aber recht klein sind, ist es weniger eklig, als es sich jetzt anhört.

Abends wird es sehr kalt und stürmisch. So kalt, dass ich das erste Mal seit einer Woche wieder einen Pullover raushole. Man merkt schon, dass Kapstadt ein paar hundert Kilometer südlicher liegt als Gaborone: Es wird ungefähr eine halbe Stunde später dunkel, aber um 19:00 ist es draußen trotzdem stockfinster.


Copyright (c) 2005 Alexander (reiseberichte@barmblognord.com).
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