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Der erste richtige Tag in Südafrika. Nach einem reichlichen Frühstück aus Tee und Toast mit Erdnussbutter fahre ich los, um das Kap der Guten Hoffnung zu besichtigen, das an der Südspitze der Kaphalbinsel liegt. Anders, als ich es mir immer vorgestellt habe, liegt Kapstadt gar nicht unmittelbar am Kap, sondern etwa 60km davon entfernt. Außerdem ist das Kap der Guten Hoffnung nicht die südliche Spitze Afrikas, sondern markiert nur den südwestlichsten Punkt des Kontinents. Den Gedankenfehler mache ich aber nicht als einziger; das hat schon ganz andere Seeleute als mich in Schwierigkeiten gebracht. Die sind allerdings ins die falsche Bucht gefahren oder an der Kapspitze zerschellt. Das wird mir hoffentlich nicht passieren.
Die ersten paar Meter im Linksverkehr sind wieder mal etwas ungewohnt. Doch wenn ich es richtig überlege, bin ich seit Dezember 2002 vermutlich mehr im Links- als im Rechtsverkehr gefahren. So gewöhne ich mich schnell wieder daran, mit der Grundregel im Kopf zu fahren, dass der Gegenverkehr immer am rechten Arm vorbeifahren muss. Eher fällt mir unangenehm auf, dass ich mich bei Netti zwar nach Besonderheiten in der Verkehrsregelung erkundig habe (Vorfahrt und so), aber nicht nach den Höchstgeschwindigkeiten. Anders als bei der Autovermietung in Neuseeland habe ich hier keine Kurzfassung des Road Code im Handschuhfach. Ich entscheide mich für die pragmatische Lösung, immer so schnell wie der Vordermann zu fahren. Wenn mich niemand mehr überholt, habe ich die Richtgeschwindigkeit erreicht.
Von zu Hause aus führt die Kloofnek Road steil den unteren Hang des Tafelbergs hinauf. Die Kloof selbst ist ein Pass (eigentlich heißt "Kloof" Schlucht auf Afrikaans), der zwischen dem Tafelberg und dem Lion's Head die City Bowl begrenzt und das Tor zur Cape Peninsula nach Süden bildet. Hinter dem Pass führt die Straße steil hinab zur Atlantikküste und windet sich durch Camp's Bay und andere kleine Orte bis Hout Bay. Kurz hinter diesem Ort wird eine mautpflichtige Straße angekündigt. Ich bin etwas unsicher, ob dies schon die Einfahrt zum Nationalpark an der Kapspitze ist. Das Kartenmaterial in meinem Reiseführer ist nicht richtig ausführlich und eine andere Karte habe ich nicht gekauft. Das sollte ich nachholen.
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| Die Küstenstraße windet sich am Chapman's Peak Drive entlang. |
Am Kassenhäuschen stelle ich aber fest, dass es sich beim Chapman's Peak Drive lediglich um eine mautpflichtige Straße handelt. Die Nutzungsgebühr für die Straße lohnt sich aber: Eine so schöne und aufregende Küstenstraße habe ich noch nicht befahren. Die Fahrt an der Steilküste entlang mit dem Atlantik zur rechten ist einfach nur großartig.
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| Kalk Bay | Simon's Town |
In Kalk Bay folge ich dem Hinweis des Reiseführers, auf dem Hinweg zum Kap die Ostseite der Halbinsel zu nehmen. So spare ich mir die Atlantikküste für den Rückweg auf, wenn ich auf der Seite der Straße fahre, die dem Meer zugewandt ist. So kann ich besser an einer der zahlreichen Haltebuchten stoppen und Fotos machen. Auch an der False Bay, an der Ostseite der Halbinsel, ist die Aussicht prima.
Hinter Simon's Town wird es langsam karger, ich nähere mich der Südspitze der Kaphalbinsel. Ein paar Mal halte ich an, um Fotos zu machen, dann erreiche ich die Einfahrt zum Nationalpark. Der Eintritt kostet ungefähr 30 Rand. Bis zum Kap sind es noch acht Kilometer durch den Nationalpark.
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| Einfahrt zum Cape Point National Park | Deutlich weniger gerupft aussehender Strauß als im Gaborone Game Reserve |
Die weiten Ebenen sind überwiegend mit dem buschigen Fynbos, einem Erika-Gewächs (wem das etwas sagt), bedeckt. Am Besucherzentrum mache ich eine kurze Pause. Hier gibt es eine Ausstellung über die Flora und Fauna im Park. Weiterhin gibt es eine ganz gute Landkarte: "Day Drives from Cape Town". Das ist genau das, was ich suche. Außerdem kaufe ich noch ein paar Broschüren über Wanderwege im Nationalpark.
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| Das Besucherzentrum im Nationalpark | Zuerst nach links zum Leuchtturm an der Kapspitze. | |
Am Cape Point wird es deutlich touristischer, der raue Charme des Nationalparks geht etwas verloren. Es ist noch recht leer auf dem Parkplatz, die Hochsaison hat noch nicht begonnen. Nur einige Dutzend Autos und eine handvoll Busse sind auf dem Parkplatz abgestellt. Von hier aus besucht man den Leuchtturm auf der Spitze der Kaphalbinsel, dem Cape Point. Man kann entweder die Zahnradbahn nehmen oder über einen etwa 700 Meter langen Fußweg den Hügel erklimmen. Ich gehe zu Fuß, passiere nach einigen Minuten die obere Station der Zahnradbahn und klettere die letzten Stufen bis zum Leuchtturm hinauf. Was für ein Ausblick! 200 Meter unter dem Leuchtturm schlagen die Wellen gegen die Steilküste. Auf dem letzten Stück Felsen in Richtung Süden steht noch ein weiterer, kleinerer Leuchtturm. Ein Stück entfernt im Nord-Westen liegt das Kap der Guten Hoffnung.
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| Blick vom Leuchtturm aus landeinwärts. Links liegt das Kap der Guten Hoffnung. | Cape Point. Die Rundung am Bildrand ist nicht die Erdkrümmung. |
Die Plattform um den Leuchtturm herum ist schon etwas voller. Wie wird das hier zur Reisezeit? Dann muss man bestimmt auf der Treppe anstehen, um auf die Plattform zu gelangen. Die Schulklasse, die mit mir zusammen den Berg hochgegangen ist, beginnt, jede erdenkliche Fläche mit Namen, Initialen und Datum vollzuschreiben. So wie es hier aussieht, sind sie nicht die ersten, die auf diese Idee gekommen sind.
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| Teenager machen, was Teenager seit Jahrhunderten machen: Dokumentieren, dass sie da waren. |
Nach ein paar Minuten steige ich wieder nach unten und suche den Pfad zu dem kleinen Leuchtturm. Weiter als bis dorthin kann man am Cape Point nicht gehen. Auf dem Weg ist es nicht mehr sehr voll; der Weg ist doch ein klein wenig beschwerlicher als der gepflasterte Weg zum großen Leuchtturm hinauf. Auch von dieser Plattform aus hat man einen schönen Blick auf das Meer. Hier thront der große Leuchtturm einige Dutzend Meter über den Besuchern oben auf dem Felsen.
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| Haarige Raupe | Aussichtsplattform und Blick auf den kleinen Leuchtturm am Cape Point. | |
Vor dem Abstieg zum Parkplatz schaue ich mir noch die Ausstellung in der Wetterstation an. Ist ganz interessant, was dort über die Erderwärmung und Klimaeinflüsse dokumentiert ist. Ich wusste nicht, dass Reisanbau signifikant zum Treibhauseffekt beiträgt. Böser Reis!
Im Souvenir-Laden beim Parkplatz kaufe ich ein paar Postkarten, dann fahre ich mit dem Auto die paar Kilometer zum Kap der Guten Hoffnung. Die Fahrt dauert knappe zehn Minuten, dann endet die Straße an einem Parkplatz am Meer. Beim Aussteigen begehe ich einen großen Fehler: Ich stehe in der geöffneten Autotür, mit dem Rücken zum Parkplatz und packe ein paar Dinge in den Rucksack. Nach kurzer Zeit höre ich einen Schlag gegen die Karosserie meines Wagens. Ich denke, es ist ein Hund, der mich angesprungen hat, doch als ich mich umdrehe, sehe ich in nicht einmal drei Meter Entfernung einen Baboon sitzen. Es ist nicht gerade so, dass man nicht mehrere Male ausdrücklich vor diesen Tieren gewarnt wird. Sie sind schnell, schlau und schlagkräftig. Und sehr aggressiv. Ich mache langsam die Autotür zu und gehe in die andere Richtung um das Auto herum. Dabei ernte ich einige verstörte Blicke der anderen Touristen. Auf einmal entdecke ich, dass der ganze Parkplatz voller Affen ist, die um die wenigen Autos herumlungern.
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| Blöder Affe | Weswegen stellt man hier zwei "Cape of Good Hope" Schilder auf? | Später Nachmittag am Kap der Guten Hoffnung. |
Ansonsten ist es nicht besonders aufregend hier. Eine andere Touristin macht noch ein Foto von mir und dem Schild "Cape of Good Hope", auf dem auch die geographischen Koordinaten stehen. Interessanterweise stehen hier zwei Schilder mit der Aufschrift "Cape of Good Hope -- The most South-Western point of the African continent". Ich erkläre mir das doppelte Schild damit, dass sich im Sommer sehr viele Gäste mit dem Schild fotografieren lassen wollen und ein einzelnes Schild einfach nicht ausreicht. Nachtrag ein paar Tage später: Die Lösung ist eine andere. Beim Blättern durch einen älteren Reiseführer sehe ich ein Foto von dieser Stelle. Auf diesem Bild ist deutlich zu sehen, dass vor nicht allzu langer Zeit eins der beiden Schilder den Schriftzug "Kaap die Goeie Hoop" trug -- also auf Afrikaans beschriftet war. Offenbar ist das Schild aber abgebaut und durch ein englisches Schild ersetzt worden. Das ist einer der Hinweise dafür, dass der Einfluss von Afrikaans immer geringer wird; ein Gedankengang, der mich in den nächsten Tagen noch des öfteren beschäftigen wird.
Lang halte ich mich an diesem Ort nicht auf. Es wird kühl am späten Nachmittag. Beim Einsteigen gebe ich besonders auf die Affen Acht, aber diesmal schauen wir uns nur tief in die Augen und es kommt zu keinen Übergriffen.
Zurück fahre ich die Westküste entlang nach Norden. Auf dem Weg liegen ein paar kleinere Orte, die alle so aussehen, als bräuchte man viel Geld, um hier zu wohnen.
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| An der Westküste der Kaphalbinsel | Leuchtturm am Slangkop Point |
In Sunny Vale verpasse ich trotz GPS die Abfahrt zum Chapman's Peak Drive. Stattdessen fahre ich über den Silvermine Road in Richtung Constantia, was landschaftlich ebenfalls sehr reizvoll ist. In Constantia mache ich Station bei einer kleinen Mall mit einem Pick n' Pay und kaufe dort Zutaten für ein Pastagericht. Zwar ist es viel zu viel für mich allein, aber vielleicht wollen die Mitbewohnerinnen ja etwas mitessen. Das wäre nett und könnte helfen, das Eis ein wenig mehr zu brechen.
Statt auf der schnellen Stadtautobahn direkt nach Kapstadt zurückzufahren, nehme ich die Constantia Wine Route, eine landschaftlich schöne Straße durch die Weingüter der Gegend. Constantia ist wegen seiner Lage auf der Ostseite des Tafelbergs (oder eher der Gebirgskette, die sich daran anschließt) eine sehr beliebte Weingegend. Das relative milde und warme Klima der False Bay begünstigt den Weinanbau sehr. Von der Schroffheit der Atlantikküste ist hier nicht viel zu sehen. Über Hout Bay fahre ich dann nach Kapstadt zurück. Kurz nach Sonnenuntergang überquere ich die Kloofnek und sehe die Stadt vor mir im Lichtermeer liegen. Wow, ist das ein Anblick.
Zu Hause sitzt Regine in der Küche und ich geselle mich mit einer Tasse Tee zu ihr. Sie erzählt von dem Ausflug zum Lion's Head, den die Mädels heute gemacht haben. Dann lädt sie mich zu einem Braai für den nächsten Tag ein. Da sage ich gerne zu und verschiebe mein Kochen auf Donnerstag.
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