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Nach der langen Nacht beginnt der Morgen in der WG sehr langsam. Gegen elf Uhr sind die ersten Lebenszeichen zu vernehmen, um halb zwölf stehe ich auf. Zum Glück ohne Kater.
Das Wetter verspricht heute prima zu werden. So entscheide ich mich, nach dem Lion's Head gestern heute den Tafelberg zu besuchen. Da es aber schon spät ist und ich meinen Knien nicht zuviel zumuten will, fahre ich nach dem Frühstück nicht zu einem der Wanderwege, die auf den Berg hinaufführen, sondern stelle den Wagen an der Talstation der Seilbahn ab. Vielleicht traue ich mir ja den Rückweg zu Fuß zu, daher kaufe ich erstmal nur eine Einzelfahrt mit der Seilbahn für 57 Rand. Die Fahrt in der Gondel ist nett gemacht: Der Boden dreht sich, sodass alle Passagiere eine Rundumsicht haben.
Die Fahrt auf 1060 Meter Höhe dauert gute fünf Minuten, dann laufen wir durch den oberen Terminal der Seilbahn. Wie schon vor zwei Tagen am Kap der Guten Hoffnung beschleicht mich auch hier das Gefühl, dass diese Anlage für viel mehr Besucher ausgelegt ist, als an diesem Tag in der Vorsaison tatsächlich da sind. Entsprechend ist auch das Areal auf dem Berg gestaltet: Alles ist asphaltiert, es gibt ein Restaurant und viele Aussichtsplattformen. Natürlich ist der Blick von hier oben auf die Stadt umwerfend. Leider ist es ein wenig diesiger als am Vortag, aber die Stadt im Kessel und die Bergkette im Süden sehen noch beeindruckender aus als gestern.
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| In unmittelbarer Umgebung der Bergstation. Hier ist man auf Touristen aller Art eingerichtet. | ||
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| Die City Bowl aus 1060m Höhe. |
Meine Wanderung soll zu Maclear's Beacon führen, dem höchsten Punkt auf dem Tafelberg. Bis dahin ist es ein knapp einstündiger Fußmarsch durch den Nationalpark. Ist eine komische Vorstellung, dass sich dieses Naturreservat mitten ein einer Metropole mit 3,5 Millionen Einwohnern befindet.
Der Großteil der Besucher beschränkt seine Erkundungen auf das Areal rund um die Station der Seilbahn, sodass ich recht schnell alleine wandere. Lediglich an der Platteklip Gorge ist noch mal etwas mehr Verkehr. Durch diese Schlucht windet sich einer der Aufstiege auf den Tafelberg und einige Wanderer rasten hier vor oder nach dem steilen Weg.
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| Blick durch die Platteklip Gorge |
Danach wird es wieder sehr ruhig. Nur sehr spärlich kommen mir andere Wanderer auf dem schmalen Pfad über Felsen, durch Pfützen und ab und zu über Stege und Brücken entgegen. Der Tafelberg ist gar keine so flache Ebene, wie es von unten erscheint. Windig ist es hier oben, aber zum Glück bleibt die Sicht klar. Nur im Osten, in Richtung der False Bay, bilden sich ein paar Wolken. Noch bleiben sie aber unterhalb des Plateaus und wehen nicht über die Hochebene.
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| Kaum ist man weg von der Seilbahnstation, wird es sehr einsam. | Wolken auf der östlichen Seite des Tafelbergs. |
Nach einer knappen Stunde erreiche ich Maclear's Beacon. Dies ist ein ungefähr vier Meter hoher Steinhügel, der von einem Astronomen errichtet wurde, um von hier aus Messungen durchzuführen. Zeitgleich mit mir kommt ein Paar an dieser Stelle an, die von der anderen Seite aus den Berg erklommen haben. Wir machen gegenseitig Fotos voneinander. Als Belohnung für den Weg gibt es ein paar Stück Schokolade. Bevor ich wieder zur Bergstation der Seilbahn aufbreche, reißen im Osten noch die Wolken auf und die beiden Engländer und ich können bis in die False Bay heruntersehen.
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| Maclear's Beacon. Der höchste Punkt auf dem Tafelberg. | Das Tischtuch klettert langsam an der Seite des Bergs hoch. | |
Für den Rückweg nehme ich dieselbe Strecke. An der Platteklip Gorge bleibe ich stehen und überlege lange, ob ich nicht doch hinuntergehen soll. Ich entscheide mich aber schließlich dagegen, da ich meine Knie schonen will. Bergab gehen ist da nicht so schlau. Auch für eine etwas längere Wanderung bleibt keine Zeit mehr, da ich auf jeden Fall die letzte Seilbahn erreichen möchte. Bleibt also nur noch der direkte Weg zurück zur Bahnstation. Auf dem Weg dorthin zeigt es sich, dass es eine gute Idee war, nicht noch weiter zu laufen: Das Wetter schlägt um und binnen einer Viertelstunde ist die Hochebene von Wolken eingehüllt. Rund um die Bergstation mache ich noch ein paar Fotos und fahre zurück in die Stadt.
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| Ist nix mehr mit toller Aussicht: Wolken verhängen den Blick auf die 12 Apostel. |
Von unten sehen die Wolken auf dem Tafelberg sehr spannend aus. Das Phänomen heißt "Table Cloth". Die Wolken wandern von Osten über den Berg und lösen sich an der Nord- und Westseite wieder auf. Es sieht wirklich ein wenig so aus, als würd ein Tischtuch über den Tafelberg gelegt.
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| Langsam wird die ganze Oberseite des Bergs von Wolken eingehüllt. | Table Cloth |
Abends koche ich meine Pasta, für die ich vor zwei Tagen die Zutaten gekauft habe. Am Anfang ist es etwas krampfig: Ich frage die drei Mitbewohnerinnen, ob sie mitessen wollen (ich habe ja extra etwas mehr eingekauft), ernte aber keine Begeisterung. Erst als die ganze Küche nach verkochtem Rotwein und frischen Zutaten riecht, kommen zaghafte Fragen, ob sie vielleicht doch mal probieren dürften... Als wir dann doch gemeinsam in der Küche essen, habe ich das Gefühl, dass das Eis ein wenig gebrochen ist.
Kurz nach dem Essen kommen die beiden anderen Mitbewohner nach Hause. Matthias und Alexander waren mit ihrem Freund Stefan eine Woche auf der Garden Route unterwegs. Sie sind ganz begeistert und erzählen von ihren vielfältigen Erlebnissen. Klingt schon ganz prima, was die drei erzählen. Vielleicht sollte ich eine solche Tour auch einplanen?
Alles in allem ein gelungener Tag. Bis auf die Kleinigkeit, dass ich nochmal auf den Tafelberg hoch muss. Aber zu Fuß. Ich kann nur sagen, dass ich dort oben war, wenn ich auch selbst hochgeklettert bin. Also muss ich für die nächsten Tage eine weitere Wanderung einplanen.
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