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Heute will ich mal ein wenig aus der Stadt herausfahren und die Umgebung von Kapstadt erkunden. Die Mitbewohnerinnen haben vor ein paar Tagen einen Trip an die Westküste gemacht, von dem sie erzählt haben. Das klang alles ganz spannend.
Doch zuerst gehe ich frühstücken. Regine empfiehlt mir das Daily Deli, ein kleines Café, das in einer Seitenstraße etwas weiter den Hügel hinauf liegt. Die Brownlow Road erreiche ich zu Fuß in knapp zehn Minuten. Das Café ist nicht zu übersehen, da in der Straße sonst nur Wohnhäuser stehen. Man sitzt auf dem Bürgersteig, der zum Teil von einem Vorzelt überdacht ist. Der Laden macht einen sehr urigen Eindruck. Ich bestelle Rührei, Speck und ein Croissant, dazu einen Tee. Mir gefällt die Musik im Hintergrund, irgendetwas elektronisches. Doch leider weiß niemand im Laden, was da gerade läuft. Das Frühstück schmeckt gut, die Kellnerin ist freundlich und es ist nicht allzu teuer: 35 Rand kostet die Mahlzeit.
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| Das Daily Deli in der Brownlow Road |
Um 12 Uhr bin ich wieder zu Hause und mache mich auf den Weg an die Westküste. Durch die Stadt fahre ich auf die Autobahn, die ich aber schnell wieder nach Norden verlasse. Das erste Stück der M27 führt durch ein Industriegebiet, dem man die Nähe zum Hafen ansieht. In Richtung des Vororts Table View tauchen exklusive und gleichförmige Wohngebiete auf. Um meine erste Etappe, den Bloubergstrand, zu erreichen, biege ich von der Landstraße ab und fahre ein paar Kilometer nach Norden direkt am Meer entlang. Der Strand ist sehr lang und wird von ebenso langen und vollkommen leeren Parkplätzen gesäumt. Auf einem dieser Parkplätze halte ich an und gehe zum Strand herunter. Dort mache ich das Standard-Postkartenfoto vom Tafelberg mit der City-Bowl im Vordergrund. Am Strand niederlassen mag ich mich heute aber nicht, denn es ist ziemlich stürmisch. Der starke Wind überdeckt, dass es heute sehr heiß ist. So steige ich schnell wieder ein, doch bevor ich losfahre, kommt ein seltsam aussehender Mann auf mein Auto zu. Ich habe Tür und Fenster geschlossen. Dass er Geld haben will, ist unübersehbar. Alle Warnungen befolgend, öffne ich weder Tür noch Fenster und fahre davon.
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| Kapstadt und Tafelberg vom Bloubergstrand aus |
Ein paar Kilometer weiter nördlich steuere ich einen anderen Strandparkplatz an. Hier sind höhere Dünen und ich suche mir einen windgeschützten Platz. Ich mache eine halbe Stunde Pause und durchstöbere den Reiseführer nach einem schönen Ziel für den Tag. Ich entscheide mich für das kleine Fischerdorf Paternoster, von dem auch Steffi gesprochen hat. Auf dem Weg dorthin liegt der West Coast National Park, dem ich ebenfalls einen Besuch abstatten möchte.
Schnell führt die Straße wieder auf die M27, die sich schnurgerade nach Norden zieht. Der Verkehr ist eher schwach. Dank der breiten Seitenstreifen ist es nicht schwer, langsamere Vehikel zu überholen, auch wenn es nur einen Fahrstreifen pro Richtung gibt. Die Fahrweise ist sehr zivil. Das Tempolimit von 120 km/h wird eingehalten. Beim Überholen bedankt sich der schnellere Fahrer artig mit der Warnblinkanlage dafür, dass der langsamere Wagen nach links auf den Seitenstreifen ausgewichen ist.
Das einzige, was mich irritiert, ist, dass in meinem Armaturenbreitt eine rote Warnleuchte in der Temperaturanzeige gelegentlich aufflackert. Da aber die Temperaturnadel stets in der Mitte bleibt, versuche ich, dem keine größere Bedeutung beizumessen. Doch aus dem gelegentlichen Flackern wird schnell ein hektisches Blinken, was mich doch beunruhigt. Nach 80 Kilometern ist mir das nicht mehr geheuer und ich biege von der Landstraße in Richtung Küste ab, um in Yzerfontein eine Tankstelle aufzusuchen und dort Öl und Wasser prüfen zu lassen. Der Wasserstand ist aber prima, nur Öl muss nachgefüllt werden. Trotzdem blinkt und flackert die LED weiter munter vor sich hin. Ansonsten ist in Yzerfontein nicht viel zu sehen: Ferienhäuser über Ferienhäuser, zum Teil sehr nobel. Der Strand ist auch ganz schön.
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| Ferienhäuser in Yzerfontein |
Ich fahre zurück auf die M27. Zehn Kilometer weiter befindet sich die Einfahrt zum West Coast National Park, der besonders im August und September wegen seiner Blumen berühmt ist. Die EInfahrt durchfahre ich um 15:30 Uhr. Der Kassierer macht mich darauf aufmerksam, dass der besonders schöne Teil des Parks um 17 Uhr schließt und empfiehlt, dass ich direkt dort hinfahren soll. Die Landschaft ist auf den ersten Blick schön: dicht bewachsen vom Fynbos umschließt der der Park die etwa zwölf Kilometer lange Lagune von Langebaan. Doch auf den zweiten Blick ist es sehr eintönig. Wo man auch hinsieht, überall wächst nichts als der Fynbos. Nach endlosen zwanzig Minuten auf einer immer schlechter werdenden Straße erreiche ich das Tor zur Postberg Section, dem kleineren, extra abgesperrten Teil des Parks. Hier ist es leider auch nicht viel spannender. Die berühmten Blumenwiesen sind zum größten Teil schon verblüht, aber es gibt wenigstens ein paar Gemsboks zu sehen. Die Schotterpiste verlangt meinem Auto viel ab und die blöde Warnlampe leuchtet nun fast durchgängig.
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| Einige wenige Tiere im West Coast National Park |
Der Höhepunkt des Parks ist eine Rundfahrt über einen Hügel, von dessen Gipfel aus man einen schönen Blick auf die Lagune und das am anderen Ufer liegende Langebaan hat. Doch aussteigen soll man an den schönen Stellen nicht. Auch an dem Parkplatz, an dem einige Felsen liegen, weist ein Schild darauf hin, dass man nicht auf den Felsen herumklettern soll. Zwar hält sich niemand daran (ich bin der einzige Besucher und halte mich nicht daran), aber es wirkt alles nach "Spaß haben verboten". Außerdem ist es wahnsinnig windig und kurz vor Toresschluss. So fahre ich wieder in Richtung Ausgang. Nach einem kleinen Fotostop springt das Auto nicht mehr an, dafür leuchtet die Kühlwasseranzeige nun konstant. Ich kriege einen Riesenschreck, aber dann springt die Karre doch wieder an. Spaß macht das nicht.
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| Klettern verboten. Im Auto sitzen bleiben erlaubt. | Die Lagune von Langebaan |
Gegen 17 Uhr fahre ich durch Langebaan durch und halte mich in Richtung Vredenburg. Dort angekommen führt die Strecke mehr oder weniger direkt nach Westen und ich fahre der tief stehenden Sonne buchstäblich entgegen. Es blendet so stark, dass ich von der Stadt fast nichts sehe. Gut, dass ich nur noch geradeaus ein paar Kilometer nach Paternoster muss.
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| Paternoster kurz vor Sonnenuntergang |
Kurz vor 18 Uhr erreiche ich endlich den kleinen Ort. Bin etwas genervt von der Fahrerei; besonders die letzten zwanzig Kilometer gegen die Sonne zu fahren, war sehr anstrengend. Dass ich genau vor dem Restaurant Voorstrand halte, um mich ein wenig zu orientieren, nehme ich als ein gutes Omen. Hier will ich zu Abend essen. Das Voorstrand ist ein kleines, gemütliches Restaurant mit einer Terrasse am Strand. Die Speisekarte war zuerst auch nicht hilfreich, denn sie war komplett in Afrikaans. Auf Nachfrage gab es dann aber doch ein englisches Exemplar. Ich bestelle den Fish of the Day, ohne genau verstanden zu haben, was es ist. Auf jeden Fall schmeckt er ganz gut. Zum Nachtisch gibt es Sticky Coffee, ein Schokogebäck, das aussieht, als wäre es in einer Tasse gebacken. Dazu Vanilleeis. Lecker!
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| Das Voorstrand Restaurant |
Während ich esse, füllt sich das Restaurant schnell. Auf einmal sind alle Plätze besetzt. Ich scheine Glück gehabt zu haben, halbwegs früh da gewesen zu sein. Am Nebentisch beobachte ich ein Paar Buren, wie sie bestellen. Es fällt auf, dass der junge Kellner sie auf Englisch anspricht und die beiden auf Afrikaans antworten. Daraufhin schaltet auch der Kellner um und das weitere Gespräch findet auf auf Afrikaans statt. Warum hat der Kellner in diesem Afrikaans-lastigen Umfeld das Gespräch nicht direkt in dieser Sprache begonnen, sondern zuerst Englisch vorausgesetzt? Das wirft für mich die Frage auf, welche Signale und Regeln bestimmen, in welcher Sprache hier gesprochen wird. In einem Land mit elf Nationalsprachen muss es sehr komplexe Regeln geben. Außerdem kommt mir hier der Gedanke, dass das Ende der Apartheid für die Afrikaans sprechende Bevölkerung neben dem Verlust der Privilegien auch noch eine schwindende Bedeutung der Sprache mit sich bringt. Wird Afrikaans bewusst marginalisiert, vielleicht sogar stigmatisiert? Welche Auswirkungen hat das auf die Sprecher dieser Sprache? Werden sie durch die Verwendung von Afrikaans auf Dauer gesellschaftlich ausgegrenzt?
Um 19:30 Uhr breche ich wieder auf. Hier draußen, abseits der Großstadt, sehe ich das erste Mal in diesem Urlaub den klaren Sternenhimmel. Gigantisch. Mit Milchstraße und allem. Die Rückfahrt wird aber sehr anstrengend. Ich fahre ohnehin nur ungern im Dunkeln, dann habe ich auch noch Angst, mit dem Auto hier irgendwo liegenzubleiben. Außerdem gibt es keine Leitplanken mit Reflektoren, sodass es ziemlich schwer ist, den Straßenverlauf einzuschätzen. Insgesamt sind die zwei Stunden Rückfahrt ziemlich nervig. Immerhin habe ich Dank des GPS ein gutes Gefühl für die Strecke und kann auch im Dunkeln einige Wegpunkte einfacher erkennen. Toll ist der Blick auf Kapstadt, etwa vierzig Kilometer entfernt von der Stadt. Das warme, orange Licht liegt wie eine Glocke über der Stadt, hinter der schemenhaft die Kulisse des Tafelbergs zu erkennen ist.
Gegen 21:30 erreiche im ziemlich gerädert die Tamboerskloofroad. Hier ist das Vorglühen für den Freitag im vollen Gange. Vor dem Schlafengehen setze ich mich noch dazu. Später führen Alexander, Matthias und Stefan noch eine hitzige Diskussion über die Bundeswehr und den Sinn der Wehrpflicht. Leider sind die drei schon so betrunken, dass es auf eine "Aber wenn ich doch Recht habe" Diskussion hinausläuft. Immerhin hauen sie sich nicht die Köpfe ein, sondern gehen gemeinsam auf die Piste, während ich im Bett verschwinde.
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