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Und schon wieder wird nichts aus dem Plan, früh aufzustehen und die Tagesaktivitäten nicht erst am Mittag zu beginnen. Zum Frühstück fahre ich in die Kloof Street, dort gibt es einige Cafés, die beim Vorbeifahren immer ganz nett aussehen. Ich bleibe im Mugg and Bean hängen, der Filiale einer größeren Kette. Starbuck's auf ein wenig rustikaler. Es ist ziemlich voll, aber ich bekomme noch einen Platz im hinteren Teil des Lokals.
Die Speisekarte ist ziemlich umfangreich, aber als ich die Eggs Benedict sehe, fällt die Wahl nicht schwer. Auf der Eggs-Benedict-Skala nehmen sie allerdings nur einen der unteren Plätze ein: Die Sauce Hollandaise ist überbacken und sehr fest, irgendwie geronnen. Trotzdem ist dieses Frühstück sehr sättigend und das brauche ich für den Tag: Das Wetter verspricht gut zu werden, die Zeit ist reif für den Tafelberg-Aufstieg.
Nach einem kurzen Besuch beim Woolworth in der Kloof Mall (Wasser und Kekse kaufen), fahre ich zum Parkplatz an der Platteklip Gorge. Man fährt an der Seilbahnstation vorbei und folgt der Straße um den Tafelberg herum noch für einen guten Kilometer, dann kommen ein paar Parkbuchten. Die Platteklip Gorge ist als Aufstieg zum Tafelberg populär. Es ist zwar recht steil, aber dafür steht das Auto nah bei der Seilbahn, sodass man zurück auch gut die Bahn nehmen kann, ohne dass man noch mehrere Kilometer unten am Berg entlanglaufen muss.
Der Aufstieg ist in der Broschüre über den Tafelberg mit zweieinhalb Stunden angegeben. Drei Tage vorher habe ich allerdings ein paar Leute gesehen, die den Aufstieg in 75 Minuten geschafft haben. Vielleicht bin ich ja auch ein wenig schneller. Es ist zwar sehr steil, aber dafür ist der Weg nicht so lang. Ich notiere mir noch die Notfalltelefonnummer und gehe um kurz vor halb eins los.
Nur auf den allerersten paar Meter des Weges geht es einfach voran, schon kurz nach dem Beginn der Wanderung wird der Pfad sehr steil und es erscheint eher wie Treppen steigen. Doch zum Glück legt sich das bald. Die Treppen nehmen ein Ende, der Weg verläuft nun eher im zick-zack. Ich überhole einige Gruppen, ein Vater mit zwei Kindern legt aber ein ordentliches Tempo vor, das zieht mich nach oben.
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| Aufstieg durch die Platteklip Gorge zum Tafelberg. | ||
Je höher es auf dem Pfad geht, desto mehr verengt sich der Blick ins Tal. Die Felsspalte, die dem Wanderweg seinen Namen gab, wird schmaler. Der Weg läuft zwischen den den beiden steil aufsteigenden Felswänden entlang. Ab und zu muss ich mich mit den Händen abstützen, aber auf dieser Höhe ist es einfacher voran zu kommen als auf den Treppenstufen am Anfang. Der Lion's Head Aufstieg war deutlich schwerer mit seinen Leitern und dem Klettern über Felsen. Nur die letzten hundert Höhenmeter ziehen sich ziemlich. Hier treffe ich auf ein mittelaltes Paar, das sich offensichtlich einen leichteren Spaziergang vorgestellt hat. Mit einfachen Straßenschuhen und dünnem Jäckchen sind sie nicht so richtig gut ausgestattet für diese Wanderung. Außerdem sind sie ohne Verpflegung unterwegs. Die Frau sieht mich etwas entgeistert an und fragt, ob ich etwas zu essen dabei habe. Ich biete Ihnen ein paar Kekse an, die sie dankbar annehmen.
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| Mein alter Freund Pac Man hat den Aufstieg nicht geschafft. |
Um 13:40 meldet das GPS, das ich einen bekannten Punkt erreicht habe. Oben! Ich stehe an der Wegkreuzung am oberen Ende der Platteklip Gorge und sehe wahrscheinlich genauso abgekämpft aus wie die Wanderer, die ich vor drei Tagen diesen Weg hochklettern sah. Außerdem bin ich deutlich schneller als erwartet: gut 70 Minuten statt zweieinhalb Stunden.
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| Oben! Aber wie geht es jetzt weiter? Ich hätte eigenes Kartenmaterial mitnehmen sollen. | |
Ich mache eine Pause, die aber nur kurz ausfällt, weil in unmittelbarer Nähe eine größere Gruppe mit großer Lautstärke irgendwelche teambildenden Maßnahmen durchführt. Ich orientiere mich ein wenig und finde schnell den Wanderweg, den ich auf der Orientierungstafel am Wegrand als Strecke für heute ausgeguckt habe.
Ein schmaler Pfad führt nach Süden und schon nach ganz kurzer Zeit befinde ich mich abseits der anderen Wanderer. Schon beim letzten Mal war sehr auffällig, dass es schnell einsam wird, wenn man sich außerhalb der Sichtweite der Bahnstation bewegt. Nur ein einzelnes Paar geht einige Dutzend Meter vor mir auf demselben Weg. Auf der Südseite der Hochebene bläst ein schneidender Wind. Von den milden, frühsommerlichen Temperaturen in der Stadt merkt man hier kaum noch etwas. Gut, dass ich soviel zum Anziehen mitgenommen habe. Im T-Shirt bin ich unten los, mittlerweile trage ich das dünne Merino-Shirt, die Fleece-Jacke und als Windstopper darüber die GoreTex Regenjacke. Vorerst geht es, aber ich habe noch einen weiteren Pullover in petto.
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| Auf dem Tafelberg nach Süden: Die Kaphalbinsel. |
Ich schließe zu dem älteren Paar vor mir auf. Als ich sie überhole, fragt mich der Mann, ob ich genau wüsste, wo wir sind. Das trifft sich sehr gut: Die beiden haben eine exzellente Karte und die Orientierung verloren, ich hingegen weiß genau, wo ich bin, habe aber keine Karte. Mit der Track-Darstellung im GPS finden wir schnell raus, wo wir stehen. Da wir ein Stück gemeinsamen Weges vor uns haben, gehen wir zu dritt weiter.
Zwischen Sean, Dalene und mir entwickelt sich ein interessantes Gespräch, während wir die ungefähr zweihundert Höhenmeter ins Echo Valley herunterklettern. Teilweise ist der Pfad steil, auch zwei Leitern müssen wir herunterklettern.
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| Sean und Dalene beim Hinabklettern einer Leiter. | Seans Wanderkarte ist besser als die kleine Broschüre, die ich habe. (Karte (c) Peter Slingsby, www.themaps.co.za) |
Als wir die Gabelung erreichen, an der sich unsere Wege trennen, beratschlagen Sean und ich, welcher Weg nun für mich der bessere sei. Nach ein paar Minuten wird mir klar, dass mein ursprünglicher Plan, eine große Runde über den Berg zu wandern, kaum machbar ist. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass meine Wegplanung für heute eher mau war. Für die Strecke, die ich gehen wollte, hätte ich zwei Stunden früher aufstehen müssen. So bin ich nicht sicher, ob ich es noch vor der Dunkelheit nach unten schaffe.
Da die letzte halbe Stunde zu dritt ganz angenehm war, frage ich Sean und Dalene, ob ich mich ihnen auch für den weiteren Weg anschließen könne. Die beiden zögern nicht, mich einzuladen und so setzen wir zu dritt die Wanderung fort. Die beiden wollten bis zu Maclear's Beacon laufen. Dort war ich zwar schon, aber wir nehmen ja einen anderen Weg dorthin. Wir unterhalten uns angeregt und bewundern die Aussicht. Die beiden wohnen seit vielen Jahren in Kapstadt und sind viel in der Umgebung unterwegs. Sie weisen mich auf eine Menge Sehenswürdigkeiten hin, die man von der Strecke aus sehen kann.
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| Im Echo Valley |
Während einer längeren Rast frage ich sie ein wenig über die Afrikaans aus. Seit dem Besuch in Paternoster beschäftigt mich die Rolle von Afrikaans nach dem Ende der Apartheid. Beide geben an, dass Englisch ihre Erstsprache sei und dass sie Afrikaans zwar sprechen können, es aber nicht häufig nutzen. Dalene sagt, dass ihr Akzent schrecklich sei und sie sich daher jedesmal entschuldige, wenn sie gezwungen ist, Afrikaans zu sprechen. Im Allgemeinen bestätigen sie meine Vermutung, dass Afrikaans dramatisch an Bedeutung verloren hat und dass die Sprecher auf Dauer marginalisiert, wenn nicht sogar stigmatisiert werden.
Nachdem wir aus dem Echo Valley wieder zur Hochebene heraufgeklettert sind, laufen wir für eine halbe Stunde auf dem Weg, den ich schon von der Tour am Donnerstag kenne. So erreichen wir Maclear's Beacon.
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| Die False Bay, heute ganz ohne Wolken. |
Heute ist die Sicht noch besser als drei Tage vorher. Man kann weit über die False Bay schauen, es gibt trotz des Windes keine Wolkenbildung im Osten. Dafür ist es hier noch kälter als im windgeschützten Tal, durch das wir vorher gelaufen sind. Zum Glück habe ich noch einen Pulli dabei, den ich nun anziehe. Auch hier machen wir eine kurze Pause. 8° mit starkem Wind laden nicht zu einer längeren Rast ein.
Die letzte Etappe der Wanderung führt zurück zur Seilbahnstation. Wir nehmen einen anderen Weg als den, den ich bereits kenne. Sean führt uns ganz nah an der Nordseite des Tafelbergs entlang. Hier geht es zum Teil auf einem schmalen Pfad am Abhang entlang. Mir wird ein wenig mulmig ob der Höhe.
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| Nordseite des Tafelbergs und der Lion's Head. |
Nach fünf Stunden Wanderung erreichen Dalene, Sean und ich die Bergstation der Seilbahn. Ich habe mich entschieden, auch mit der Bahn hinab zu fahren. Für einen Abstieg über die Platteklip Gorge fehlen mir Lust und Kraft. Außerdem bietet mir Sean an, mich von der Talstation aus noch zu meinem Auto zu fahren. Das Angebot nehme ich gerne an. Ich kaufe eine Einzelfahrt für den Weg nach unten und wir erreichen als letzte Gäste eine fast volle, wartende Kabine.
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| Sean und Dalene: Sehr nette Bekanntschaft beim Wandern. Hat Spaß gemacht mit Euch. |
Unten angekommen verabschiede ich mich von Dalene, die an der Talstation auf Sean wartet, während er mich zu meinem Auto fährt. Auch ihm danke ich nochmal sehr herzlich dafür, dass sie mich aufgenommen haben. Er betont, dass es ihnen ein großes Vergnügen gewesen sei. Das war es für mich auch.
Sehr erfüllt fahre ich zurück in die Tamboerkloofsroad. Abends unternehme ich nichts mehr. Zu Hause ist eine Menge los: Alex und Stefan haben heute den Tandemsprung gemacht, von dem sie die letzten Tage berichtet haben. Bei bestem Wetter sind sie aus 3000m Höhe aus einem Flugzeug abgesprungen und ungefähr 12 Minuten zur Erde geschwebt. Ein weiterer Fallschirmspringer hat mit einer Helmkamera ein Video gedreht und Fotos gemacht. Das Video läuft heute und in den nächsten Tagen in Heavy Rotation. Immer wieder schauen wir es uns an, aber es lohnt sich auch. Der Schnitt ist wild, die Fischaugenoptik der Kamera bringt schöne Effekte und die Musik, mit der das ganze unterlegt ist, bringt einiges an Stimmung dazu. Für das Tagebuch muss ich mich mit einem Foto begnügen.
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| Alexander (unten) kurz nach Verlassen des Flugzeugs. Der schwarze Rucksack soll wenig später ein Fallschirm werden. |
Später koche ich Pasta zum Abendessen und mache den Rest des Gemüses warm. Dieses Mal zieren sich die anderen nicht so sehr, etwas mitzuessen. Mit Steffi sitze ich abends noch lange in der Küche, bevor ich ins Bett gehe.
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