Mittwoch, 28.09.2005

Kapstadt

Heute nehme ich mir vor, mal ein wenig mehr von Kapstadt, also der Innenstadt, anzuschauen. Viel habe ich davon noch nicht gesehen, wenn man mal von der Erkundung am ersten Tag und den Fahrten auf dem Weg rein und raus aus der Stadt absieht. Es gibt einige Museen, die mich interessieren, z.B. das South African Museum, das gar nicht weit von der Tamboerskloof entfernt liegt. Dort gibt es außerdem ein Planetarium. Dann ist da noch das Castle of Good Hope und das District Six Museum. Besonders letzteres ist mir empfohlen worden. Und außerdem war ich noch nicht eine Minute an der V&A Waterfront, dem großflächig neuentwickelten Hafengebiet, das als Ausgangspunkt für sehr viele touristische Aktivitäten in der Stadt gilt.

Das Blöde ist nur, dass das Wetter eigentlich zu schön ist für eine solche "drinnen"-Tour. Aber egal, ich kann nicht immer nur auf schlechtes Wetter warten (dann hätte ich gestern ins Museum gehen sollen).

Nach einem etwas drögen Frühstück mit Brötchen, die ich für den Ausflug gestern geschmiert und nicht gegessen habe, mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum Museum. Der Fußweg dauert ungefähr zwanzig Minuten. Das Museum liegt an der Stirnseite des Company's Garden, eines Parks, an dessen Flanken einige wichtige Gebäude liegen: die Nationalgalerie, das Parlament und einige weitere. Das Gebäude ist ein imposanter, viktorianischer Bau, der so groß wirkt, als ob ich die zwei Stunden bis zur Planetariumsvorstellung gut darin verbringen könnte. Zumindest ist es angenehm kühl hier drin.

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Das South African Museum

Ich gehe durch die ersten Ausstellungen durch. Zuerst eine über die Ureinwohner Südafrikas, die verschiedenen Völker, die hier schon vor der Ankunft der Europäer nicht richtig friedlich gemeinsam gelebt haben. Doch richtige Begeisterung will nicht aufkommen. Auch die naturhistorischen Ausstellungen sind für mich total langweilig. Als ich dann noch fest stelle, dass es im Planetarium gar keine Show mit Sternenhimmel gibt, sondern Videobilder vom Hubble-Teleskop (das kann ich in Hamburg auch haben...), pfeife ich auf die 20 Rand für den Planetariumseintritt, lasse das Museum Museum sein und beschließe, lieber draußen durch den Park zu laufen. Das Wetter ist wirklich zu gut, um drinnen zu sein. Schade um die anderen Museen.

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Company's Garden Cecil Rhodes zeigt die Stoßrichtung für weitere Eroberungen in Afrika.

Der Park ist aber auch nicht richtig interessant. Vor allem ist es sehr heiß. Dann fällt mir ein, dass heute eine gute Gelegenheit ist, die Tour nach Robben Island zu unternehmen. Für die halbstündige Überfahrt ist gutes Wetter ja auch eine nette Voraussetzung. Der Abfahrtsort für die Touren zur Gefängnisinsel liegt in der V&A Waterfront. Dort mag ich aber nicht hinlaufen, sondern möchte lieber fahren. Also zurück zur WG, nochmal Sonnenmilch nachlegen, das Auto holen und Richtung Hafen fahren.

An der Waterfront gibt es riesengroße Parkplätze, die heute allerdings alle voll sind. Wie soll -- und die Frage stelle ich mir zum x-ten Mal -- das hier erst werden, wenn im Dezember/Januar die Touristenmassen hier einfallen? Bislang sagen mir alle Leute, dass es noch halbwegs ruhige Vorsaison ist. Auf dem Hauptparkplatz ist nichts mehr zu holen, aber ich entdecke einen Nebenparkplatz, der so gut versteckt ist, dass hier noch nichts los ist.

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Vergnügungszentrum V&A Waterfront

Die V&A Waterfront macht einen unwirklichen Eindruck auf mich. Große Einkaufspassagen, alles geleckt sauber, keine Bettler, keine selbsternannten Parkwächter: Kein Wunder, dass Touristen diese Anlage so attraktiv finden. Nett, aber sehr unwirklich. Wenn jetzt noch Comicfiguren herumliefen, könnte man glauben, in einer Art Themenpark gelandet zu sein. Mit dem Kapstadt, das ich in den letzten acht Tagen kennengelernt habe, hat das hier nicht viel zu tun.

Am Nelson Mandela Gateway to Robben Island stelle ich fest, dass es für heute keine freien Plätze mehr auf einer Fähre nach Robben Island gibt. Morgen auch nicht. Übermorgen sind noch vereinzelte Plätze zu haben. Die Tour kostet 150 Rand. Schluck. Ich lasse mir die Telefonnummer geben, um für einen späteren Termin telefonisch buchen zu können. Es ist nicht gerade so, dass es am Tag nur eine Tour zu der Insel gibt: Zwischen 8 und 16 Uhr fährt stündlich eine Fähre die 13km hinüber. Und trotzdem: Nichts frei.

Dann vertreibe ich mir den Rest des Nachmittags an der Waterfront. Besonders lohnenswert ist das große Two Oceans Aquarium. Wann war ich das letzte Mal in einem Aquarium? Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern. Aber dieses hier ist wirklich toll. Mit 60 Rand ist der Eintritt nicht gerade preiswert, doch das Geld ist gut investiert. Alles ist sehr ansprechend aufgemacht. Man wird sehr schön hindurchgeleitet und trotz der Menge an Besuchern verströmen die Tanks mit den Meerestieren eine angenehme Ruhe. Teilweise werden optische Tricks angewendet, damit der Betrachter das Gefühl hat, allein vor einem Tank zu stehen. In den weiter hinten liegenden Abteilungen des Aquariums gibt es riesige Becken. Ganz beeindruckend ist der Kelp-Forest, in dem ganz hohe Unterwasserbäume, die an der Oberfläche nur aussehen wie ein wenig Gestrüpp, sich im Wasser hin- und herwiegen. Dazu läuft stimmungsvolle Musik im Hintergrund. Hier muss ich später nochmal herkommen, denn ich will nicht die Fütterung verpassen, die in wenigen Minuten im größten Becken stattfindet. Der Raum ist schon voll, aber ich bekomme noch einen Platz auf der Empore inmitten einer Horde Schulkinder.

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Im Two Oceans Aquarium

Im Parkett macht sich ein Mitarbeiter des Aquariums bereit, die Fütterung zu kommentieren. Er macht das sehr geistreich, witzig und gespickt mit vielen interessanten Informationen. Man merkt schon ein wenig die Enttäuschung des Publikums, als er verkündet, dass die Haie heute nicht gefüttert werden, aber die Erläuterung der anderen Tierarten und besonders die Kommentare über die Schildkröte (die als einziger Nicht-Fisch in diesem Becken angeblich aufführt wie der Hecht im Karpfenteich) machen das wieder wett. Ein paar Taucher steigen mit der lunch box ins Becken und beginnen die Fütterung.

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Fütterung der Fische (und der Schildkröte) im größten Becken des Aquariums.

Das dauert eine knappe halbe Stunde. Danach machen die Taucher noch von innen die Scheiben sauber, lassen sich fotografieren und machen ein paar Scherze mit den Zuschauern. Es ist wirklich sehr beeindruckend, wie gut und professionell, aber nicht glatt und langweilig das Aquarium hier vermarktet wird. Das hat nichts von einer drögen Wissenschaftsveranstaltung, sondern ist ein lebhaftes und erinnernswertes Erlebnis. Prima.

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Ein Teil der "shark awareness campaign" zur Rettung des Bildes von Haien in der öffentlichen Meinung. Die Tiere sind gar nicht so gefährlich, wie man landläufig annimmt. Unbemerkt von den Massenmendien töten normale Haushaltsgegenstände mehr Menschen pro Jahr als Haie.

Nach dem Besuch im Aquarium gehe ich durch ein paar Geschäfte und stöbere ein wenig in der großen Mall. Das einzig interessante, was ich finde, ist ein leckerer Frozen Yoghurt. Aber alles andere ist nicht so spannend. Anders als in Neuseeland oder Australien lohnt es sich hier nicht, Bücher zu kaufen, da die Auswahl sehr beschränkt ist und die Bücher außerdem sehr viel teurer sind, als wenn ich sie in Deutschland kaufe.

Am späten Nachmittag fahre ich wieder zurück in die Tamboerskloofroad. Für den Abend habe ich mich mit Matthias und Alexander verabredet, im Paulaner (sic!) das Spiel Schalke gegen Istanbul zu schauen. Das wird dort live übertragen. Wird ein netter Abend. Frederik und Nadja tauchen auf, eine ganze Horde anderer Deutscher, die ich vorher noch nicht kennengelernt habe, und das Spiel ist auch spannend. Dazu noch deutsches Bier und Brauerei-Essen -- was will man mehr in Afrika?


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