Donnerstag, 29.09.2005

Hout Bay

Nach dem Tag in der Stadt und an der vollen V&A Waterfront gestern steht mir der Sinn heute wieder nach ein wenig Abgeschiedenheit und einer Wanderung auf der Kaphalbinsel. Der Reiseführer empfiehlt in Hout Bay, durch das ich schon mal durchgefahren bin, eine Wanderung zum Chapman's Peak.

In der Touristeninformation in Hout Bay informiere ich mich über den Wanderweg und frage nach einer Karte. Neben einer wenig detailreichen Karte verkauft man hier noch die Wanderkarten von Peter Slingsby. So eine hatte Sean für den Tafelberg. Ich zögere aber etwas, 50 Rand für die Karte auszugeben, da ich ja nur noch sehr kurz hier bin. So gebe ich mich mit der Kopie zufrieden und suche mir ein Café zum Früstücken. Nach ein wenig Kurverei durch den Ort werde ich auch fündig und verspeise ein eher mittelmäßiges Full English Breakfast in Dave's Café.

Beim Essen denke ich nochmal darüber nach, die bessere Karte zu kaufen und entscheide mich schließlich doch dafür. Die Frau in der Touristeninformation ist etwas erstaunt, mich nochmal zu sehen, verkauft mir die Karte aber gerne. Erst später merke ich, dass der Kartenausschnitt, den ich gewählt habe, gar nicht so günstig ist. Statt der Karte "Hout Bay and the Constantia Winelands" hätte ich doch eher "Silvermine" kaufen sollen -- die wäre für meine Wanderung deutlicher geeigneter. Was beide Karten allerdings gemein haben, ist das Raster mit GPS Koordinaten. Bin gespannt, wie das funktioniert.

Das Auto stelle ich auf einem kleinen Parkplatz kurz hinter der Mautstation am Chapman's Peak Drive ab. Es dauert ein wenig, bis ich verstanden habe, dass man mit einer Tageskarte sehr wohl die Schranke passieren kann, ohne beim Herausfahren bezahlen zu müssen. Man muss nämlich nur bezahlen, wenn man einen Kontrollposten auf etwa der Hälfte der Strecke passiert hat. Dort wird die Karte markiert und erst dann wird bei der Ausfahrt aus der Mautstraße die Wegegebühr fällig. Das zu verstehen hat ein wenig gedauert, ist aber hilfreich.

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Mautstation am Chapman's Peak Drive Da soll's hochgehen.

In brütender Mittagshitze gehe ich los. Es ist ungefähr 13:00 Uhr, als ich die ersten Schritte auf dem steinigen Wanderweg entlanglaufe. Die neue Karte ist sehr nützlich. Sie beschreibt sogar den Untergrund, den man auf bestimmten Teilen des Weges zu erwarten hat. An einer nicht ganz klar beschilderten Weggabelung ist dort mit einem kleinen Pfeil "Use upper Path" markiert, und tatsächlich endet der untere Weg nach einigen Metern im nichts. Das GPS Raster ist ebenfalls sehr hilfreich. Nachdem ich die Positionsangabe des GPS Empfängers von Grad, Minute, Sekunde auf UTM umgestellt habe, ergeben auch die Zahlenangaben wie 258245/6227940 einen Sinn. Zumindest kann ich bei einem Kartenmaßstab von 1:20.000 fast auf zehn Meter genau ablesen, wo ich mich gerade befinde. Besonders bei kleinen Abzweigungen ist das praktisch.

Die ersten Kilometer gehe ich auf dem Contour Path entlang, der sich in 350m Höhe am Berghang in Richtung Chapman's Peak entlangzieht. Unter mir liegt die Hout Bay, auf der westlichen Seite bewacht vom Berg The Sentinel. Ein toller Blick.

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Hout Bay und The Sentinel.

Weit unter mir höre ich ein lautes Geräusch, das ich zuerst nicht einordnen kann. Doch beim Blick auf die Bucht sehe ich sofort die Geräuschquelle: Ein Wal schwimmt in der Nähe des Ufers umher. Von hier oben ist er nur ein kleiner, grauer Fleck auf dem Wasser -- aber trotzdem sehr schön anzusehen.

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Kaum zu erkennen aber deutlich zu hören: Ein Wal in der Nähe des Ufers.

Hier fällt mir auch auf, dass das Ziel meiner heutigen Wanderung gar nicht auf der Karte zu sehen ist, dafür hätte ich das südlichere Blatt nehmen müssen. Wanderwege gibt es hier aber zum Glück genug. Statt weiter in Richtung Chapman's Peak zu wandern und aus der Karte herauszufallen, nehme ich an einer kleinen Abzweigung einen Weg, der ziemlich direkt den Berghang hinaufführt. Dies ist der alte Fischwerweg nach Kalk Bay an der Ostseite der Kaphalbinsel.

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Der Chapman's Peak. Dort werde ich heute doch nicht hinwandern. Stattdessen nehme ich den steilen Weg neben dem Wasserfall.

Hier geht es sehr steil den Berg hoch, deutlich steiler noch als an der Platteklip Gorge beim Aufstieg auf den Tafelberg. Allerdings nicht ganz so hoch. Trotzdem komme ich sehr ins Schwitzen und sehe, dass meine Wasserflasche sich schon auf dem Hinweg schneller leert als vermutet. Es ist ziemlich heiß.

In 622 Meter Höhe ist der Aufstieg vorüber. Hier ist eine Plattform mit Bänken befestigt. Ich mache eine Pause und genieße die Aussicht über die Hout Bay. Außerdem überlege ich etwas länger, wohin ich nun weitergehe. Die Wege sehen attraktiv aus, aber ich fürchte, dass ich mal wieder zu spät losgegangen bin. Bis hierher habe ich gute zwei Stunden gebraucht. Bis Sonnenuntergang sind es etwa noch drei Stunden, es bleibt also nicht viel Zeit für eine größere Etappe. Der einzige Weg, der längenmäßig noch hinkommen würde, ist auf der Karte mit "EXPOSED ROCK SCRAMBLE" gekennzeichnet -- also nichts, was man ohne Begleitung (aber dafür mit Höhenangst) in Angriff nehmen sollte.

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Aussichtsplattform und gut präparierter Weg in Richtung Kalk Bay auf der Ostseite der Halbinsel.

Stattdessen gehe ich den alten Fischerweg noch ein bisschen weiter nach Osten, um einen Blick auf die Ostseite der Kaphalbinsel zu werfen. Nach zwanzig Minuten finde ich eine Weggabelung, an der ich der heutigen Wanderung einen Schlusspunkt setze. ich mache noch eine kurze Pause und trete dann den Rückweg an.

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Blick auf Kalk Bay.

Der Abstieg ist zwar anstrengender als der Aufstieg, aber dafür steht die Sonne nun schon so tief, dass es nicht mehr so heiß ist. Ganz kurz vor Ende des Wegs, es ist mittlerweile fast 18 Uhr, kommen mir ein paar Wanderer entgegen. Das sind die einzigen Menschen, die ich auf der ganzen Wanderung gesehen habe. Dabei ist es ein ganz schöner Weg gewesen, aber offenbar nicht so populär.

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Kurz nach 18 Uhr am Chapman's Peak Drive.

Am Straßenrand stehen einige Menschen und schauen gebannt auf das Meer, das hier ungefähr achtzig Meter unterhalb der Straße liegt. Dort sind einige Wale zu sehen, die sich in Paaren oder einzeln im Wasser vergnügen. Faszinierender Anblick. Dazu kommt, dass gerade die Sonne genau über dem Sentinel auf der anderen Seite der Bucht versinkt und die Szene in ein sehr weiches Licht taucht. Eine Radsportlerin, die aus der letzten Kurve des Chapman's Peak Drive kommend die Mauthäuschen passiert, hält neben mir an. Wir kommen ins Gespräch und sie spricht davon, wie sehr sie diese Jahreszeit genießt, wenn sich die Wale hier an der Küste tummeln. Und dafür bin ich bis nach Hermanus gefahren, ohne einen Wal zu sehen. Ich erzähle, dass sich mein Aufenthalt hier langsam dem Ende nähert und ich gerne noch eine Township Tour machen möchte. Das ruft Unverständnis hervor: "Why on Earth would you want to do that? There are so many more beautiful things to see in South Africa." Sie gibt aber zu, dass sie sich auch immer mal vorgenommen hat, so etwas zu unternehmen, dann aber doch keine Gelegenheit gefunden hat. Schließlich verabschiedet sie sich, weil sie noch vor Sonnenuntergang zu Hause in Hout Bay ankommen muss. Dunkelheit und sich draußen zu bewegen, scheinen keine Dinge zu sein, die man in Südafrika miteinander verbindet.

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In Camp's Bay: Die Westseite des Tafelbergs beim Sonnenuntergang.

Ich fahre auch weiter und erreiche kurz nach Einbruch der Dunkelheit die Tamboerskloofroad. Hier ist Regines letzter Abend angebrochen. Die Mädels waren am Tag vorher schon fein essen, heute hat Regine Nadja und Frederik eingeladen, um mit ihnen noch einen Abend zu verbringen. Regine und ich sitzen in der Küche und unterhalten uns, als die beiden hereinkommen. Die Situation wird etwas skurril: Wir sitzen zu viert gemeinsam am Tisch, sie holt eine Flasche Wein und drei Gläser raus und gießt ihren Gästen etwas ein. Offenbar bin ich doch nicht eingeladen gewesen. Naja, ich habe aufgegeben, das Verhalten dieser Frau zu verstehen und trinke weiter mein Wasser.


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