Montag, 15.11.2004

Dunedin

Der Tag fängt ungefähr so an, wie der letzte aufgehört hat: Mit Gefiepe aus dem Telefon des Zimmergenossen. Dieses Mal spielt er nicht, sondern hat den Wecker gestellt. Er stellt den Wecker aus, dreht sich rum und schläft weiter. Ich nicht. Das Spiel wiederholt sich vier- oder fünfmal. Mir wächst ein ziemlicher Hals.

Auf der Suche nach einem Café komme ich an denselben Läden vorbei wie gestern abend, nur dass nun alles geöffnet ist. Die Auswahl an Cafés in dieser Stadt ist gigantisch. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass Dunedin eine Unistadt ist. Kopierläden, Cafés und viele junge Leute beherrschen das Bild.

Zum Fühstück geht es heute in den Percolator in der Stuart Street, direkt am Octagon. Dort bestelle ich mein Lieblingsfrühstück und rufe Björn an, um von meinen Recherchen zum Rückflug nach Hamilton zu berichten und zu fragen, welche Tageszeit ihm zum Abholen am besten passt. Wir einigen uns auf den Flug, der am 24.11. um 14:35 in Hamilton landet. Während ich auf das Frühstück warte, überschlage ich kurz, wieviel Geld ich auf dieser Reise schon ausgegeben habe. Das Ergebnis ist etwas niederschmetternd: Bislang sind es knapp unter $2000 -- zwar inklusive Mietwagen, aber trotzdem mehr als erwartet. Nehme mir vor, in den nächsten Tagen etwas kürzer zu treten. Am Mt. Cook habe ich ohnehin nur ein Bett im Dorm bekommen, das ist preiswerter. Die Verpflegung dort wollte ich ja ohnehin auf Selbstversorger umstellen. Mal sehen, ob ich das durchhalte.

Nach einer guten Stunde fällt mir auf, dass es sich ziemlich zugezogen hat. Und dass meine Wäsche noch auf der Leine hängt. Mit sehr schnellem Schritt gehe ich zurück zur Staffod Street. Mit Erreichen des Hostels setzt der Regen ein, aber ich schaffe es zum Glück noch, die Sachen abzuhängen. Viel später hätte das aber nicht sein dürfen.

Der Regen wird stärker. Um die Zeit bis zum Nachmittag zu überbrücken, wenn es hoffentlich trocken wird, gehe ich ins Otago Museum, das überall in der Stadt für die Edmund Hillary Ausstellung wirbt. Auf dem Weg dorthin schaue ich noch bei einem Internet-Laden rein, um das Flugticket zu buchen. Prima, ich bekomme es sogar noch als "Super Saver" für den günstigsten Preis. Also werde ich am Mittwoch, dem 24.11. um 12:00 ab Christchurch nach Wellington fliegen. Das verschiebt meine ursprüngliche Planung um zwei Tage, aber die habe ich dann übrig, um Christchurch und die Umgebung etwas zu erkunden.

Zurück in den Regen, weiter zum Museum. Der Regen wird keineswegs schwächer. Langsam wird mir klar, dass ich mir die Albatrosse auf der Otago Peninsula abschminken kann. Bei dem Regen macht es sicher keinen Spaß, dorthin rauszufahren. So ein Ärger. Das Museum erreiche ich dank der Überdachung an der George Street und der neuen Regenjacke einigermaßen trocken.

Das Museum macht schon in der Eingangshalle einen sehr modernen und gepflegten Eindruck. Die Frau am Empfang begrüßt mich sehr herzlich. Ich frage, ob die Hillary Ausstellung dieselbe ist wie vor zwei Jahren in Auckland. Ist sie, wird mir versichert. Schade, aber der Rest des Museums sieht auch spannend aus. Die Eintrittsspende steckt man in das Ei des großen Moa am Eingang. Das Museum schlägt eine Spende von $5 vor, was angesichts der Menge und der Qualität der Ausstellungen wirklich nicht viel ist.

Ich beginne mit der Maori Ausstellung im ersten Stock. Es gibt einen kurzen Einführungsfilm über die Schöpfungsgeschichte der Maori, ein großes Kanu und viele weitere Exponate, die meisten davon mit einem Bezug zu Otago. Danach gehe ich zur sehr modernen und umfassenden "Southern Land, Southern People" Ausstellung. Hier wird ein breiter Überblick über Menschen, Landschaften und Geschichte des südlichen Neuseelands vermittelt. Dieser Teil des Museums ist besonders gut gelungen. Auf dem Weg zur nächsten Ausstellung fällt mir eine Reihe Fotos von Mitarbeitern des Museums auf, die im Treppenhaus hängen. Das gefällt mir, so etwas habe ich in einem Museum bisher noch nicht gesehen. Dann schaue ich mir die maritime Ausstellung an, die im Vergleich zum Rest des Museums arg zurückfällt. Sehr gut hingegen ist der Teil über die ausgestorbenen und bedrohten Tierarten. Hier wird auch die Rolle von Museen als Sammler bedrohter Tierarten sehr deutlich und selbstkritisch thematisiert.

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Treppenhaus im Otago Museum Die Mitarbeiter des Museums Die Maori Abteilung Southern Land, Southern People

Im Treppenhaus bleibe ich nochmal vor den Fotos stehen, als mich einer der Mitarbeiter anspricht. Brian ist sehr interessiert an meiner Meinung über das Museum und freut sich über meine Komplimente. Er ist Collection and Research Manager und sehr stolz auf das Museum. Erst letzte Woche habe man einen bedeutenden Preis gewonnen, weswegen die Museumsführer heute einen Extratag frei bekommen hätten -- deshalb muss heute das Management den Betrieb aufrecht erhalten. Besonders freut er sich über meine Kommentare zu Southern Land, Southern People, die er selbst entworfen und geplant hat.

Draußen ist der Regen noch stärker geworden. Kein Gedanke mehr daran, heute noch Albatrosse zu sehen. Bis das Museum um 17 Uhr schließt, sitze ich im Café. Scherzhaft frage ich den jungen Mann hinter der Theke, ob er mich wirklich in das Sauwetter rauswerfen wolle. Er empfiehlt mir den Governor (war ich schon), den Percolator (ebenfalls) oder aber das Metro gegenüber des Percolator. Das klingt gut. Die junge Frau, die ebenfalls hinter der Theke arbeitet, wirft ein, dass dies eher ein Lokal für Jüngere sei. Mir stockt der Atem. Flegel.

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In dieses Wetter werde ich kaltherzig herausgeschickt.

Auf dem Weg dorthin mache ich einen Umweg am Bahnhof vorbei. Es ist eins der Gebäude, bei denen man zuerst an ein Stadtschloss und erst danach an einen Bahnhof denkt. Als auf der Südinsel noch Personenverkehr mit dem Zug abgewickelt wurde, war das bestimmt ein sehr lebhafter Ort. Heute wirkt der Glanz eher verlassen.

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Der Bahnhof von Dunedin. Wird nur noch für einen Touristenzug verwendet.

Den Rest des Nachmittags verbringe ich im Metro Café. Ich esse eine Portion Pasta und schreibe weiter im Tagebuch. Irgendwann wird es aber doch ziemlich kalt und ich gehe in Richtung Hostel zurück. Zum Glück hat es jetzt endlich aufgehört zu regnen. Über der High Street gibt es einen beeindruckenden Sonnenuntergang.

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Das Metro Café Ob ich es noch schaffe, vor dem Ende des Sonnenuntergangs die Bergkuppe zu erreichen?

Abends sitze ich grübelnd über der Landkarte und überlege die restlichen Stationen der Fahrt. In mir regt sich das Gefühl, dass ich mir zuviel Fahrerei vornehme und es dabei zu wenig Gelegenheit gibt, etwas abseits der Straßen zu unternehmen. Beschließe, mir nicht zu viele Gedanken zu machen und gehe ins Bett. Später kommt der asiatische Zimmergenosse, spielt wieder mit seinem Telefon. Wieder bitte ich ihn, damit aufzuhören -- etwas weniger höflich als am Vorabend: "Look, I'm trying to sleep here." "Look" versteht er als "Lock", springt auf und prüft, ob die Zimmertür abgeschlossen ist. Danach spielt er unter der Decke weiter und ist mir egal.


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