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An diesem Wochenende wollen Björn und ich nochmal etwas zu zweit unternehmen. Kim bleibt mit den Kindern und unerwartetem Besuch aus Kanada zu Hause, wir beide machen uns bereit für ein Wochenende auf der Coromandel Halbinsel, die gut 2 Std. nordöstlich von Raglan liegt und eine der großen Sehenswürdigkeiten der Nordinsel ist. Björn kennt sich dort gut aus, er hat ganz am Anfang seiner Zeit in Neuseeland in Whitianga einen mehrwöchigen Sprachkurs besucht. Er war erst vor einigen Wochen mit seiner Mutter und seiner Familie dort.
Doch bevor wir losfahren können, hat Björn um neun Uhr noch einen Termin in der Werkstatt. Außerdem müssen wir auf dem Weg noch eine Ladung Fenster und Türen an einen Kunden übergeben, den wir in Hamilton treffen wollen. Die Zeit, die Björn in der Werkstatt verbringt, nutze ich dazu, Noahs Zimemr soweit aufzuräumen, dass die Gäste aus Kanada hier übernachten können.
Um 11 Uhr fahren Björn und ich mit dem Van zur Werkstatt, befestigen dort den Anhänger am Wagen und laden jede Menge Fenster und Türen für Chris auf. Die Ladefläche im Van ist ebenfalls voll, als wir gegen Mittag losfahren. Um 13 Uhr sind wir am vereinbarten Treffpunkt in Hamilton, einer abschüssigen Straße zwischen See und Krankenhaus. Chris wartet bereits dort mit seiner Frau und zwei Kindern. Sie haben einen Jeep und auch einen Anhänger, der aber kleiner ist als Björns. Weiterhin passt nichts in den Jeep rein, da er keine Ladefläche hat. Doch Björn und Chris kriegen es prima hin, die ganzen Dinge auf den kleinen Anhänger zu laden. Aus der Entfernung sieht diese Übergabe bestimmt vollkommen konspiratiiv aus. Vier Menschen treffen sich mitten in der Stadt (die Kinder lasse ich aus Gründen der Dramatik aus), laden einen Haufen Dinge von einem Anhänger auf einen anderen, wechseln ein paar freundliche Worte und gehen wieder auseinander.
Den Anhänger müssen wir zum Glück nicht die nächsten Tage mit uns herumziehen. Ein paar hundert Meter weiter wohnt ein anderer Freund von Björn, mit dem er abgesprochen hat, dass wir den Anhänger in der Einfahrt abstellen können. Ich muss sagen, dass ich diese Art Logistik Björn nicht wirklich zugetraut habe, denn er ist doch in manchen Dingen etwas chaotisch. Aber schließlich schafft er es ja auch, seinen Laden sehr erfolgreich beieinander zu halten und ich tue ihm womöglich großes Unrecht.
Nun haben wir zwar alle Jobs erledigt, fahren aber immer noch nicht los. Vorher müssen wir nochmal bei Tageslicht die Riff Raff-Statue begutachten. Außerdem möchte ich gerne in einem Outdoor Laden nach einer speziellen Kleidung schauen: Sowohl El in Manapouri als auch Anthony im Mt. Cook Village hatten Klamotten der Marke Icebreaker an, die sie in höchsten Tönen gelobt haben. Die wollte ich mir etwas genauer anschauen. Passenderweise ist der Laden Trek'n'Travel direkt gegenüber der frisch enthüllten Statue. Einen Parkplatz finden wir auch noch direkt davor. Wir laufen David, dem Builder, und seiner Familie in die Arme, die auch gerade das Samstags-Shopping erledigen. David baut gerade das Gästehaus auf dem unteren Teil des Grundstücks. Ich hatte ihn in Raglan zwar schon aus der Entfernung gesehen, aber noch nicht mit ihm gesprochen.
Im Trek'n'Travel werden wir sehr gut beraten. Die Kleidungsstücke aus Merinowolle fühlen sich wirklich ganz großartig an und der Verkäufer schwört darauf. Ohne Rücksicht auf die Reisekasse zücke ich die Kreditkarte und erstehe ein sehr dünnes, langärmeliges Unterhemd und einen Pullover, der gar nicht mal nach Outdoor aussieht: Er ist schwarz, mit V-Ausschnitt und einem grauen Streifen auf der Außenseite jedes Ärmels.
Dann schauen wir uns nochmal die Riff Raff-Statue an. Dass sie erst gestern Nacht enthüllt wurde und dass dazu eine große Bühne und ein Turm für Anlage und Fernsehkameras aufgebaut war, sieht man gar nicht. Sie fügt sich ganz nett in die Umgebung ein. Sie steht auf einem freien Grundstück, auf dem auch ein paar Sitzmöbel stehen. Die Plaketten, die an die Rocky Horror Show erinnern, haben wir natürlich gestern nicht gesehen, aber dafür nehmen Björn und ich sie nun in Augenschein.
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| Nochmal bei Tageslicht: Die Riff-Raff Statue auf der Victoria Street in Hamilton. | |||
Dann aber, endlich, geht es los. Wir verlassen Hamilton in östlicher Richtung. Dabei fahren wir an der Uni vorbei, diesen Teil der Stadt kannte ich noch gar nicht. Wir halten uns in Richtung Thames. Das ist das Tor zur Coromandel (so nennt sich diese Stadt selbst), von dort aus wollen wir weiter nach Hahei, einem kleinen Ort auf der Ostseite der Coromandel. Die erste Pause machen wir in Pareoa. Die Stadt ist nach einer Limonadenmarke benannt, vielleicht ist es auch umgekehrt. Spielt aber keine große Rolle, da Stadt und Limonade eine perfekte Symbiose eingegangen sind. Wir halten hier kurz an, um eins (das?) Wahrzeichen der Stadt zu fotografieren: eine übergroße Limoflasche. Wir nutzen die Pause außerdem, um ein Eis zu kaufen, dann geht es weiter in Richtung Thames.
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| Björn und das Wahrzeichen von Paeroa. Sehen so moderne Götzenbilder aus? |
Doch nicht allzuweit hinter Pareoa bemerkt Björn eine leichte Störung beim Fahren. Er steigt aus, prüft den Wagen und stellt schnell fest, dass der Reifen hinten links platt ist. Schnell stellen wir fest, dass wir zwar einen Ersatzreifen dabei haben, aber leider keinen Wagenheber. Auf der anderen Seite der Landstraße ist die Hofeinfahrt zu einem Engineering Shop. Björn wendet den Wagen und macht sich auf den Weg zu dem Haus. Vielleicht ist ja jemand da, der uns weiterhelfen kann. Ich passe derzeit auf das Auto auf. Nach zehn Minuten kommt er wieder, allein. Leider ist niemand da. Also muss der AA herhalten. Glücklicherweise ist auf der Nordinsel einigermaßen dichte Mobilfunkdeckung. Wenn einem so etwas irgendwo auf der Südinsel passiert, steckt man erstmal in der Bredouille. Doch so erreichen wir mit dem Mobiltelefon die AA Hotline, können halbwegs genau unseren Standort mitteilen und lehnen uns zurück. Jetzt heißt es warten, warten, warten. Keine Ahnung, wie lang das noch dauern kann.
Nach kaum zwanzig Minuten nähert sich aus Richtung Thames ein Auto mit dem Logo der Automobile Association. Der Fahrer steigt aus, hört sich unser Problem an und schnappt sich den Wagenheber aus seinem Auto, um in wenigen Minuten unseren Reifen zu wechseln. Ich bekomme sein Verkaufsgespräch nicht ganz mit, aber er scheint nicht schlecht zu sein: Björn wird sich schnell mit dem Mechaniker einig, dass wir noch mit ihm in seine Werkstatt fahren, um einen neuen Reifen zu kaufen. Ist vielleicht auch besser, denn ganz ohne Reserverad (oder vielmehr: mit dem Reserverad) zu fahren, ist keine gute Idee. Die Fahrt nach Thames dauert nicht lange. Die Werkstatt ist groß, hell und sauber. Der neue Reifen ist schnell montiert, das Reserverad wird wieder unter dem Wagen verstaut und wir können endlich weiterfahren. Das ganze Unternehmen hat uns eine Stunde im Zeitplan zurückgeworfen. Doch da wir gar keinen festen Zeitplan haben, ist es gut zu verschmerzen.
Kurz hinter Thames beginnt die Coromandel. Außerdem beginnt das Cricket Test Match zwischen Australien und Neuseeland in Adelaide. Dieses Spiel wird uns über die ganze Tour hinweg begleiten, denn die Test Matches werden über mehrere Tage ausgetragen. Sie sind deutlich mehr von Strategie geprägt als die kurzen, eintägigen Spiele, die ich bisher wahrgenommen habe. Sports Radio scheint die drei Tage auch durchgehend von dem Spiel zu berichten. Die beiden Moderatoren haben sich viel zu erzählen. Ist auch wichtig, wenn man drei Tage lang in einer Kabine eines Stadions sitzt und ein Spiel kommentiert, bei dem die Aktionen eher punktuell passieren und große Strecken eher nicht radiotaugliche Pausen sind.
Unser Ziel auf der Coromandel ist heute die Ostküste, genauer gesagt ein kleiner Ort namens Hahei. Hier haben wir für eine Nacht ein Zimmer in einem Backpacker-mit-Motel gemietet. Allerdings haben wir nur das teure Studio bekommen, für $100 pro Nacht. Beim Einchecken versucht die Herbergsmutti mir $120 abzuknöpfen, doch ich berufe mich auf die Preisangabe vom Tag vorher und so ist die spontane Preiserhöhung schnell aus dem Weg geräumt. Wegen der ganzen Verzögerungen ist es schon später Nachmittag, eher früher Abend. Zum Essen wollen Björn und ich heute nach Whitianga fahren, der etwas größeren Stadt an der Ostküste. Nur mit dem Auto wäre die Fahrt fast vierzig Kilometer lang, da man einen großen Hafen umfahren muss. Doch zum Glück gibt es nicht weit von Hahei entfernt eine Fähre, die uns für wenig Geld über den Hafen fährt.
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| Fährfahrt über den Hafen von Whitianga. Kostet wenig und spart 40km Autofahrt. | ||
Björn hat das "Fireplace" als Restaurant für das Abendessen vorgeschlagen. Doch leider ist dort alles voll und einen Tisch auf der Terrasse wollen wir nicht. Dafür ist es doch ein wenig zu kalt an diesem Abend. Auf der Suche nach einem Restaurant, in dem noch Platz für uns ist, kommen wir an einigen vollen oder geschlossenen Läden vorbei. Schlussendlich landen wir in einem Restaurant direkt neben dem Fireplace. Hier ist es nicht so voll. Leider gibt es keinen Fisch mehr, sodass mein Hunger nach Fish and Chips heute nicht gestillt werden kann. Wir warten ewig auf das Essen. Vielleicht hat das Methode und die Angestellten wollen uns herausekeln. Könnte auch erklären, dass die Leute am Nebentisch, die nach uns gekommen sind, vor uns ihr Essen bekommen -- mit viel Fisch.
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