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Noch vor dem Frühstück melde ich mich zur Stadtrundfahrt bei OzExperience an. Max, der Brite, mit dem ich das Zimmer im Wake Up! teile, hat diese Tour gestern gemacht und enthusiastisch davon erzählt. Die Eckdaten sind vielversprechend: 7 Stunden Tour (prima) im klimatisierten Bus (noch besser) für nur $10 klingen nach einem guten Tag. Das OzExperience Büro ist schräg gegenüber vom Wake Up! in der George Street. Dort bekomme ich noch einen Platz bei der Tour heute und erfahre, dass ich noch eine gute Stunde Zeit habe, bis es losgeht. Zum Frühstück kaufe ich im Eat Up!, dem Café im Hostel, ein großes Brötchen mit Bacon and Eggs. Sieht zwar etwas seltsam aus in der Alufolie, schmeckt aber erstaunlich gut.
Bereits um diese Tageszeit ist es ziemlich heiß. Um nicht jetzt schon den Hitzetod zu sterben, setze ich mich bis zur Abfahrt des Busses bei OzExperience ins Büro. Die Abfahrt verzögert sich etwas, weil der Bus kaputt ist, aber um Viertel nach zehn ist es soweit. Der Eindruck, dass OzExperience und Wake Up! irgendetwas miteinander zu tun haben, wird dadurch verstärkt, dass wir den neuen Bus vor dem Hostel besteigen und dass fast alle Fahrgäste auch in diesem Backpacker absteigen. Das erkennt man sehr einfach daran, dass alle die typischen Schlüsselkarten an einem Band um den Hals tragen.
Macka, der Busfahrer, bereitet uns auf die Tour vor: Es soll nicht die übliche "In diesem Haus wohnte der und der von dann bis dann" Tour werden, sondern eher eine Fahrt durch die Stadt, gespickt mit Tipps, welche Orte für Backpacker Touristen interessant und vor allem preiswert sind. Doch bevor wir losfahren, bittet er darum, dass wir uns unserem Nachbarn vorstellen, damit wir nicht den ganzen Tag nebeneinander sitzen, ohne ein Wort gewechselt zu haben. Ich sitze neben Michael, einem jungen Tischler aus Dänemark, den ich schon kenne: Er hat im Bett über mir geschlafen.
Das erste Ziel ist "The Gap", an der Küste. Doch bis wir diese Aussichtsplattform erreichen, erleben wir den Stau an King's Cross, enge Straßen und schicke Wohnviertel. Im Vorort Vaucluse liegt The Gap, eine Klippe, von der aus man einen sehr schönen Blick auf das Zentrum von Sydney in der Entfernung hat. Ich mag zwar kaum aus dem Bus aussteigen, denn am späten Vormittag ist die Temperatur auf 39° geklettert. Auch an dieser Stelle mache ich wieder Bekanntschaft mit einigen zig Fliegen, die mich überfallen, sobald ich den Bus verlasse. Doch heute bin ich beruhigt, dass ich nicht das einzige Ziel bin: Alle Teilnehmer der Tour wedeln ständig mit den Händen vor ihrem Gesicht umher, um die Viecher zu vertreiben.
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| The Gap | |
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| Watson's Bay, Vaucluse Point und der Central Business District |
Die nächste Etappe ist vermutlich der berühmteste Strand in New South Wales: Bondi Beach, einer der stadtnahen Eastern Beaches. Wir machen eine halbe Stunde Pause. Die große Gruppe verteilt sich, um den Strand zu erkunden oder in einem der Geschäfte an der Promenade einzukaufen. Macka bekommt bestimmt eine Kommission von einem Surf- und Tauchladen, so begeistert wie er die Angebote dort anpreist. Ich gehe kurz zum Strand, kämpfe gegen Fliegen und Hitze, halte es aber nicht lange aus. Kurz vor der Abfahrt des Busses kaufe ich bei einer kleinen Eisdiele einen Smoothie, also einen Milch-Shake. Obwohl es nur die kleine Portion ist, ist mein Hunger bis zum Abend weitgehend gestillt.
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| Bondi Beach |
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| Bondi Surf Club | Strandpromenade | Hier ist es heute sehr heiß. |
Nun geht es wieder stadteinwärts: Darlinghurst und King's Cross, die Viertel haben einen verruchten Ruf, scheinen aber friedlich zu sein. Es kommt mir ein wenig vor wie die Reeperbahn, nur deutlich kleiner. Ganz in der Nähe liegt Pott's Point. Im neu entwickelten Hafen gibt es einige schicke Wohnblocks und unser Fahrer wird nicht müde zu betonen, dass Russel Crowe hier ein Apartment besitze. Ich finde das Schiff von der U.S. Coast Guard etwas spannender: Die Jungs an Bord haben wohl irgendwo eine Abfahrt verpasst.
Über eine Stadtautobahn fahren wir zur Harbour Bridge und überqueren die Brücke. Der Stadtteil unmittelbar nördlich davon sieht eher langweilig aus: unspektakuläre Bürotürme bestimmen das Bild. Wir halten uns in nord-östlicher Richtung und schon bald fahren wir durch geschäftige Vororte, bis wir den nächsten Stopp erreichen: Manly Beach. Wieder einer der Stadtstrände, doch dieser hier liegt in einem ganz gemütlichen Stadtteil im Norden der Stadt. Wir verabreden eine anderthalbstündige Pause, sodass die Gelegenheit besteht, baden zu gehen. Mir ist nicht danach, lieber mache ich einen Spaziergang entlang der Promenade bis zu einer kleinen Bucht. Gerne würde ich ein paar Minuten im Schatten sitzen und etwas lesen, doch jeder Versuch das zu tun, wird durch sofortige Massenlandungen von kleinen, schwarzen Fliegen vereitelt. Das ist wirklich sehr ätzend an dieser sonst so schönen Stadt: Sobald man in der Nähe von Wasser ist (und das ist man hier immer), juckt es überall, weil diese blöden Fliegen auf Körperfühlung gehen. So breche ich den Versuch schließlich ab und gehe in die Einkaufsstraße. In einem viel zu teuren 7-11 kaufe ich einen Schokoriegel und eine Flasche Wasser.
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| Manly Beach und der Weg nach Cabbage Tree Bay | ||
Vor der Abfahrt frage ich unseren Busfahrer, was er gegen die Fliegen macht. Mit großer Ernsthaftigkeit sagt er, dass er sie esse. Man müsse aber die grünen vermeiden, die seien sehr bitter. Ich schaue ihn ungläubig an und er rückt mit der Wahrheit raus: Insektenspray, gibt's in jeder Drogerie. Dabei fällt mir ein, dass ich ja noch das Gel gegen die Sandflies habe, das ich in Manapouri vor der Fahrt über den Doubtful Sound gekauft habe. Muss ich heute abend unbedingt dran denken. Auf meine Frage, wo die Wolken entstehen, die von Westen (also aus der Wüste) auf die Stadt zuziehen und die Temperatur etwas senken, weiß er keine richtige Antwort.
Es geht wieder in Richtung Stadtzentrum. Am Fuße der Harbour Bridge halten wir an und haben die Gelegenheit das berühmte Panorama aus Oper und den Hochhäusern des Central Business District zu fotografieren. Diese Oper ist wirklich zu faszinierend.
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Nun wird die Stadtrundfahrt zu einem Stadtrundgang: Wir laufen über die Harbour Bridge zu den Rocks. Die Brücke ist wirklich sehr beeindruckend. Hohe Portale markieren den Eingang und auf nahezu jedem bisschen Platz führt eine Fahrspur. Man merkt richtig, dass die Brücke aus allen Nähten platzt. Neben den Autos fahren die Vorortzüge noch im Minutentakt über die Gleise im Westen der Brücke. Zum Glück ist die Brücke so solide gebaut (ohne Gitterböden), dass meine Höhenangst mir keinen Strich durch die Rechnung macht. Wie man aber $160 dafür ausgeben kann, in einer Tour über die großen Bögen zu klettern, ist mir schleierhaft. Gibt aber genug Leute, die das machen, denn die Touren sind auf ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht.
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| Harbour Bridge Perspektiven | ||
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| Wohnhäuser in Kirribilli am nördlichen Ende der Brücke |
Nach einer halben Stunde treffen wir auf der anderen Seite Macka wieder, der den Bus in der Nähe des Circular Quay abgestellt hat. Zu Fuß laufen wir durch die Rocks, die ich am Vorabend schon besichtigt habe. Das ist ein wirklich schönes Viertel, doch mit großer Sicherheit ist es völlig illusorisch, hier eine Wohnung zu finden, die auch nur im Ansatz bezahlbar ist. Dabei sind einzelne Gebäude von so ausgesuchter Hässlichkeit, dass es mich schüttelt.
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| The Rocks | Was haben sich die Architekten der Siebzigerjahre dabei gedacht? |
Nach der Tour durch die Rocks gehen wir hinunter zum Circular Quay. Mittlerweile hat es sich deutlich abgekühlt und alle Zeichen deuten auf einen drohenden Wolkenbruch hin. Außerdem sind wir schon ein wenig spät dran. So wird es etwas hektisch, als wir die letzte Etappe der Tour abklappern: Mrs. Macquarie's Chair, eine Landzunge, die östlich der Oper in den Hafen ragt. Hier kann man auf das Haus schauen, in dem Russel Crowe ein Apartment besitzt, aber man hat auch einen schönen Blick auf die Harbour Bridge.
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| Mrs. Macquarie's Chair | |
Auf manchen Straßen ist neben der normalen Straßenmarkierung noch eine hellblaue Linie gezeichnet. Preisfrage vom Busfahrer: Was ist das? Eine Amerikanerin weiß die Antwort. Die blaue Linie markiert die Strecke des Marathonlaufs bei den Olympischen Spielen 2000. Macka macht sich darüber lustig, dass es Touristen gebe, die das fotografieren. "It's a blue line, so what's the point?". Ich finde das gar nicht so abwegig, traue mich aber trotzdem nicht mehr, die Kamera rauszuholen.
Die Rückfahrt zurück zum Hostel dauert lange. Wir stecken voll im Berufsverkehr. Der Verkehr ist eins der drängendsten Probleme Sydneys. Während der Rush Hour geht hier gar nichts mehr. Wir erfahren, dass in manchen Büros die Arbeitszeiten absichtlich um 17:22 oder zu ähnlich krummen Zeiten beginnen und enden, damit nicht pünktlich um 17:00 mehrere hunderttausend Menschen in Busse und U-Bahnen strömen.
Im Hostel ziehe ich mir zuerst ein paar wärmere Dinge an, denn mittlerweile ist es echt kühl geworden, im Vergleich zu den über vierzig Grad, die wir tagsüber erlebt haben. Heute abend möchte ich mal wieder etwas Richtiges essen. Dazu fahre ich mit der U-Bahn nach Darlinghurst, zur Haltestelle King's Cross. In dieser Gegend wird es schon irgendwo einen Laden geben, in den man auch allein gut gehen kann, ohne sich dabei blöd vorzukommen. Etwas entfernt von dem Trubel der Darlinghurst Road setze ich mich an einem Brunnen hin und konsultiere den Lonely Planet, welches Etablissement heute nach meinem Geschmack sein kann. So ganz ohne Empfehlung ein Café oder Restaurant auszuprobieren ist etwas, das ich immer noch nicht gelernt habe. Habe ich auch heute keine Lust mehr zu, denn ich bin hungrig. Ein Restaurant spricht mich an: das Fishface, einige hundert Meter die Darlinghurst Road hinab. Das ist ein Laden genau nach meinem Geschmack: Es ist klein, voll und es fällt gar nicht auf, dass man ohne Begleitung hier sitzt. Ich ergattere einen Barhocker am offenen Fenster und bestelle Fish and Chips. Die werden wenige Minuten später serviert. Wer dachte, dass Fish and Chips immer fies und billiges Fast Food seien, würde hier eines Besseren belehrt: Es schmeckt hervorragend. Die Art, wie es serviert wird, ist herrlich. Eine große, spitze Papiertüte steckt in einem eleganten Ständer aus schönem, dunklem Holz mit drei Metallfüßen. Die Tartar-Soße kommt in einem Porzellanschälchen. Hier werden zwar auch keine Fast-Food Preise genommen, aber die Qualität ist prima. Lange bleibe ich nicht sitzen, denn immer neue Gäste strömen in das Lokal und zerren mir den Hocker nahezu unter dem Hintern weg. Die Bahn in Richtung Hauptbahnhof kommt schnell, was ganz praktisch ist. Obwohl es gerade erst zehn Uhr ist, fahren die Züge auf dieser innerstädtischen Hauptlinie nur alle halbe Stunde.
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