| Einen Tag zurück | Startseite | Einen Tag weiter |
Ungefähr zwei Stunden vor der Landung in Bangkok teilt das Kabinenpersonal die Einreisekarten für Thailand aus. Ich muss zwar keine Karte ausfüllen, bin aber gerne bereit, Sevgi für ihre Karte meinen Stift zu leihen. Keine gute Idee, denn der Tintenroller ist auf dem Flug so zerbrochen, dass sich beim Abziehen der Kappe eine größere Menge Tinte über Sevgi, ihren Pass und über den kleinen Klapptisch ergießt. Sie selbst kriegen wir noch einigermaßen sauber, doch der Tisch behält einen fetten blauen Fleck. Ob der Stift mit dem Kabinendruck nicht zurecht gekommen ist? Ist auf jeden Fall etwas unangenehm.
Wir landen pünktlich gegen 13 Uhr in Bangkok. Beim ersten Schritt aus dem Flugzeug heraus in die Gangway fühlt es sich an, als ob ich gegen eine Wand aus Hitze laufe. In Bangkok ist es heiß und schwül. Das Flughafengebäude selbst ist wieder klimatisiert und ich bin froh, nicht aus dem Gebäude raus zu müssen. Die Nummer des Abfluggates finde ich schnell heraus. Nun sind es noch vier Stunden bis zum Weiterflug. Der Flughafen ist etwas schäbig, aber dafür sehr lebendig. Auffallend sind besonders die Massagesalons: Mittelgroße Räume, Liegesessel und viele Thailänderinnen mit weißen Handschuhen, die die Kundschaft durchkneten. Sieht alls etwas chaotisch aus, mehr wie ein Markstand als ein Ort der Entspannung.
Die Zeit verbringe ich damit, mehrmals durch den Flugsteg zu laufen. Die Halle ist irre lang. Auf dem Rückflug habe ich laut Plan nur 45 Minuten zum Umsteigen. Hoffentlich muss ich dann nicht von einem Ende zum anderen laufen. Das könnte knapp werden. Bei einer Wechselstube tausche ich 10 Euro in 600 Baht und kaufe ein Glas Orangensaft. Leider sind nicht besonders viele Sitzgelegenheiten für die Wartenden vorgesehen, doch nach einiger Sucherei finde ich doch ein ruhiges Eckchen. Bald überkommt mich eine bleierne Müdigkeit, und so laufe ich doch noch ein wenig herum, um wieder etwas fitter zu werden.
Langsam wird es Zeit, zum Abfluggate zu gehen. Hier muss ich -- wie die Frau, die vor mir abgefertigt wird, auch -- die Schuhe ausziehen und durchleuchten lassen. Das hatte ich bisher noch nicht. Nachdem wir unsere Schuhe wieder angezogen haben, komme ich mit Helena ins Gespräch. Sie war ein paar Tage in Prag, um dort ihren Vater zu beerdigen und ist nun auf dem Weg zurück nach Auckland. Nun muss sie Freunde und Bekannte ihres Vaters von seinem Tod in Kenntnis setzen. Dazu hat sie einen mit Zetteln und Briefen zum Bersten gefüllten, alten Filofax ausgehändigt bekommen. Sie greift wahllos einen Brief heraus, der aus dem Jahr 1968 stammt. Ob die Personen noch leben, weiß sie natürlich nicht. Ich fürchte, mit dieser Aufgabe wird sie einige Wochenenden verbringen können.
Das Boarding für den Flug TG991 nach Sydney und Auckland verzögert sich um fast eine halbe Stunde. An Bord sitze ich neben Pat, einer Thailänderin um die dreißig. Sie war eine Woche in Thailand, da ihr Vater gestorben ist und die Beerdigung anstand. Ich muss mich etwas zurückhalten nicht zu lachen, aber verziehe mein Gesicht doch ein wenig. Bevor sie mich für einen totalen Idioten hält, erzähle ich ihr von der Begegnung eine Stunde vorher. Es kommt nicht häufig vor, dass man innerhalb einer Stunde zwei Menschen trifft, denen das gleiche passiert ist. Pat erzählt ein wenig von ihrer Zeit in Thailand, doch ein gutes Gespräch mag nicht aufkommen. Liegt vielleicht daran, dass ich ihr asiatisches Englisch mit starkem Kiwi-Einschlag nicht so richtig verstehe.
Die Nacht ist leider nicht so angenehm wie die letzte. Ich wache ständig auf und finde einfach keine bequeme Schlafposition.
| Einen Tag zurück | Startseite | Einen Tag weiter |
|
Copyright (c) 2004/2005 Alexander (reiseberichte@barmblognord.com).
This work is licensed under a Creative Commons License.
|
|
| http://barmblognord.com | |