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Nach dem Ausflugstag gestern ist der Plan für heute, einen der kürzeren Walks entlang der Straße nach Milford Sound zu unternehmen. Danach möchte ich noch nach Milford Sound weiterfahren. Selbst wenn ich keine Cruise auf dem Sound unternehme, möchte ich den Ort anschauen und einen Blick auf den berühmten Mitre Peak werfen. Von Manapouri aus fährt man 25 km nach Te Anau, von dort aus führt die Straße ungefähr 120 km weiter nach Norden in den Fjordland National Park hinein und endet in Milford Sound.
Wegen der Biere am Vorabend (oder weil ich mich endlich an die Zeitumstellung gewöhnt habe), schaffe ich es nicht, ganz früh aufzustehen. So bin ich erst gegen 07:30 wach, was für diesen Urlaub ein echter Ausschlafrekord ist. Gegen 8 Uhr sitze ich im Auto und bin auf dem Weg nach Te Anau. Doch nach einigen Kilometern fällt mir ein, dass ich das Telefon vergessen habe, es hängt noch in Jimmys Wohnzimmer an der Steckdose. Zum Telefonieren kann ich es zwar ohnehin nicht verwenden (in dieser Einsamkeit gibt es keine Netzabdeckung), aber momentan ist das Ding meine einzige Uhr. Also fahre ich zurück und nutze die Gelegenheit, bei Jimmy das Zimmer direkt für eine weitere Nacht zu reservieren. Mittlerweile gefällt es mir prima im Freestone. Der erste Eindruck war zwar etwas seltsam, doch mittlerweile habe ich es sehr lieb gewonnen. Seit dem Vorabend habe ich auch Licht: Jimmy war in der großen Stadt und hat eine neue Energiesparlampe gekauft.
In Te Anau merke ich, dass diese Verzögerung gar nicht so schlimm war. Die Läden machen erst um 9 Uhr auf und ohne ein paar Einkäufe kann ich ohnehin nicht loswandern. Ich parke den Wagen in einer Seitenstraße der (noch) menschenleeren Hauptstraße namens Town Centre. Zum Frühstück gibt es heute Eggs Benedict im Olive Tree Café. Dort ist es ganz nett und ich bleibe noch etwas länger sitzen, um ein paar Seiten im Tagebuch zu schreiben. Danach noch ein schneller Blick auf die Emails der letzten Tage.
Im benachbarten Supermarkt kaufe ich Proviant für den Tag: Corn Flakes Riegel, Kekse, getrocknete Aprikosen und vor allem Wasser. Leider finde ich in diesem Supermarkt nicht die superleckeren Riegel, die ich in Queenstown gekauft habe. Muss weiter Ausschau danach halten. Mittlerweile ist es fast zehn Uhr. Vor dem Aufbruch nach Norden tanke ich den Wagen voll und mache kurzen Halt beim DOC Visitor Centre. Die auch hier extrem freundliche Frau hinter der Theke gibt mir ein paar Broschüren und Hinweise für die Wanderung zum Key Summit, dem ersten Gipfel auf dem Routeburn Track. Die Wettervorhersage ist ebenfalls gut: "By the time you get to Key Summit the clouds will be gone."
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| Das DOC Visitor Centre in Te Anau |
Die Straße aus Te Anau heraus schlängelt sich langsam nach Norden. Die ersten Kilometer verlaufen am Ufer des Lake Te Anau. Nach ca. 30 km passiere ich Te Anau Downs, den Startpunkt des Milford Track. Irgendwann hören Land- und Viehwirtschaft auf und der Fjordland National Park beginnt. Muss mich leider auf die Straße konzentrieren und kann nicht das wunderschöne Bergpanorama genießen. Es ist recht viel Verkehr auf der Straße (was soviel heißt wie: Man kann noch vor dem Horizont zwei Autos sehen und mindestens einmal pro Minute kommt ein Wagen entgegen).
Die Karte aus dem DOC Centre beschreibt viele Sehenswürdigkeiten entlang des Weges. Den Aussichtspunkt auf den Eglington River lasse ich links liegen, halte aber an den Mirror Lakes an. Sooo besonders spiegelig sind sie nicht, aber ich habe endlich die Gelegenheit, das blöde Auto zu verlieren, das schon seit längerer Zeit vor mir her schleicht.
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| Mirror Lakes | |
Gegen 12 Uhr erreiche ich den Parkplatz am Pass "The Divide". Hier startet der Routeburn Track, dessen erste Kilometer ich ablaufen möchte. Es gibt einen großzügigen Wetterschutz und die letzten Toiletten vor der ersten Hütte, die eine gute Stunde entfernt auf dem Track liegt. Ich tausche die bequemen Schuhe gegen die Wanderstiefel und betrete den Track. Auf den ersten Kilometern geht es durch dichten Wald, der ganz anders wirkt als der Regenwald am Doubtful Sound. Es geht stetig bergauf, teilweise als gerader Weg, teilweise aber auch in Form von Serpentinen. Mit zunehmender Höhe ändert sich auch die Vegetation. Die Bäume lichten sich, nach einer guten halben Stunde wird der Blick ganz frei auf eine spektakuläre Berglandschaft. Neben dem Weg bilden sich immer wieder kleine Rinnsale aus dem Wasser, das aus dem dicken Moosboden auf den Weg tropft. Die Rinnsale werden zu kleinen Bächen, die sich als Wasserfälle alle paar Meter in die Tiefe ergießen.
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| Beginn des Routeburn Tracks | Routeburn Track nach ein paar Kilometern |
Mittlerweile ist es sehr warm geworden. Außerhalb des Waldes brennt die Sonne heftig. Trotzdem war es eine gute Wahl, das langärmelige T-Shirt anzuziehen. Nicht nur, dass es gut vor der Sonne schützt, es hält auch die Sandflies vom Leib. Obwohl ich ja im allgemeinen keine Probleme mit Insekten habe, bin ich vorsichtig: Die Biester sollen hemmungslos sein. Quizfrage: Trägt man zuerst Sonnenschutz, dann Insektenschutz auf oder umgekehrt?
Ich erreiche die Weggabelung, an der der Key Summit Track von Routeburn Track abzweigt. Geradeaus geht es weiter in Richtung Howden Hut, nach rechts führt der Weg steil bergauf. An den Wegweiser gelehnt steht ein Haufen Rucksäcke einer Wandergruppe. Nach einer kurzen Pause gehe ich nach rechts, den Berg hoch. In Serpentinen geht es steil nach oben. Nun verschwinden auch die letzten Bäume am Wegesrand, nach Westen öffnet sich der Blick auf ein großartiges Bergpanorama.
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Nach einer knappen halben Stunde erreiche ich den Gipfel Key Summit. Von hier aus gibt es einen alpinen Lehrpfad von etwa 30 Minuten um den Gipfel herum. Am Ende soll es einen Blick auf Lake Marian geben, einen Gebirgssee. Der Lehrpfad ist leider nicht so lehrreich wie erhofft. Das DOC hat zwar Plastikkarten mit Hinweistexten in einen Ständer gepackt, doch leider sind die Karten so abgegriffen, dass man kaum etwas darauf lesen kann. Aber egal: Die Bergpanoramen entschädigen einen dafür. Hier oben ist heute sehr wenig los, nur ungefähr ein Dutzend Wanderer begegnet mir während der halben Stunde, in der ich über den Gipfel turne. Dann sammele ich meinen Rucksack wieder auf, den ich am Anfang des Lehrpfades liegen gelassen habe und mache mich an den Abstieg.
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| Key Summit |
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| Ganz klein zwischen den Bergen liegt Lake Marian |
An der Weggabelung gehe ich nicht Richtung Parkplatz, sondern befolge den Hinweis der freundlichen DOC Mitarbeiterin vom Vormittag, auch noch bis zum Howden Hut zu laufen. Die Wanderung wird dadurch nur eine halbe Stunde länger. Der Weg führt nun wieder bergab durch einen dichten Wald. Die Bäume sehen unheimlich aus, weil sie alle mit einer dicken Moosschicht überzogen sind.
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| Viel Moos an den Bäumen | Hier wächst gerade Moos an einem Baum |
Howden Hut liegt sehr idyllisch an einem See. Noch ist hier nicht viel los, da aber sowohl der Greenstone Track als auch der Caples Track hier starten/enden, wird sich das später am Tag bestimmt ändern. Beide Tracks führen mehr oder weniger nach Queenstown, das von hier aus ca. 40 km Luftlinie entfernt liegt. Schon seltsam, wenn man bedenkt, dass es mit dem Auto mehrere hundert Kilometer sind, bis man dort ist -- doch leider liegt eine sehr hohe Bergkette zwischen hier und Queenstown, sodass man keine direkte Straße gebaut hat. Meine Pause am Howden Hut bleibt kurz. Zum einen drängt die Zeit ein wenig, zum anderen gibt es an dem See besonders viele von den nervigen Sandflies.
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| Howden Hut | Lake Howden | Wieder am Parkplatz |
Am Parkplatz sehe ich meinen ersten Kea. Nicht nur, dass sich diese Vögel mit dem Fliegen schwer tun, dieses spezielle Exemplar humpelt auch noch und macht einen Mitleid erregenden Eindruck -- aber das ist ja die Masche dieser Vögel. Zuerst heischen sie Mitleid, im nächsten Moment fressen sie deine Scheibenwischer. Ich setze mich ins Auto und ruhe mich ein paar Minuten aus, als ich lautes Kea-Gehopse auf dem Dach des Wagens höre. Ich schrecke auf und fahre schnell los, bevor der blöde Vogel sich an meinem Auto vergreift.
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| Mein erster Kea! |
Unmittelbar nach The Divide knickt die Straße nach Westen ab. Auf einmal befinde ich mich richtig im Gebirge. Riesige Wasserfälle ergießen sich in das Tal, durch das sich die Straße windet. An manchen Stellen sind sogar noch große Schneehaufen zu sehen, offenbar ist die Schneeschmelze hier noch nicht ganz abgeschlossen. Nach ungefähr 20 km endet die Straße an der Einfahrt zum Homer Tunnel. Dieser Tunnel ist sehr eng und trotz der Scheinwerfer sehr dunkel. Besser wird es erst, als ich die Sonnenbrille abnehme. Trotzdem sieht dieser Tunnel anders aus als solche, die ich aus Deutschland gewohnt bin. Er ist direkt in den Fels gehauen und nicht mit Beton ausgegossen.
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| The Road to Milford Sound | Reste der Schneeschmelze | Das ging in echt ganz steil hoch. Ehrlich. | Das ist noch nicht Mitre Peak, sieht aber fast so aus. |
Nach einem guten Kilometer ist der Tunnel zu Ende. In langen Serpentinen führt die Straße hinunter ins Tal. Über zahlreiche einspurige Brücken geht es in Richtung Milford Sound. Den letzten Zwischenstopp auf der Fahrt dorthin lege ich am Wasserfall "The Chasm" ein. Hier läuft man einige Minuten vom Parkplatz zu zwei Holzbrücken über einen reißenden Fluss. Unterhalb der Brücken fällt der Fluss in eine Höhle, die durch das Wasser in den Fels geschliffen wurde. Die Wände der Höhle sind ganz glatt und passen gar nicht zu den kantigen Felsen, die das Tal sonst dominieren. Ich mache ein paar Minuten Pause und breche schließlich zur letzten Etappe auf: Milford Sound ist nur noch wenige Kilometer entfernt.
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| Hier müsste jetzt das Zitat von H.D. Thoreau hin, aber ich habe es nicht abfotografiert. |
Dort angekommen ist der Blick auf den Fjord beeindruckend. Mitre Peak erhebt sich fast 1700 Meter aus dem Wasser. Hier anzukommen, wenn man mehrere Tage lange den Milford Track gelaufen ist, ist sicherlich ein sehr erhebendes Gefühl. Inzwischen ist es 17:30 Uhr geworden. Um diese Tageszeit ist sonst nicht mehr viel los an diesem Ort. Die Schiffe für die Kreuzfahrten liegen sicher vertäut am Anleger und der große, moderne Fährterminal wird fit gemacht für den Besucheransturm des nächsten Tages.
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| Milford Sound. Im Vordergrund das Stadtzentrum. |
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| Nun aber: Mitre Peak | Vorfahrt vor dem Fährterminal (nicht dem Flughafen) |
Ansonsten ist Milford Sound eher tot. Ein echter Ort, wie ich ihn mir vorgestellt habe, existiert gar nicht. Lediglich die Fähranlagen, ein Flugfeld und eine Lodge für die Wanderer gibt es hier. Manchmal muss auch der Weg das Ziel sein, denke ich mir und verlasse diesen tristen Ort gegen 18 Uhr. Die Fahrt zurück wird ja auch mindestens zweieinhalb Stunden dauern und ich will in Te Anau auch noch etwas essen. Kurz bevor die Straße wieder am Ufer des Lake Te Anau entlang führt, mache ich einen kurzen Halt, um das wunderschöne Licht zwischen See, Bergen und Wolken zu fotografieren.
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| Te Anau Downs |
Um kurz vor halb neun erreiche ich Te Anau. Dort schaue ich kurz nach meiner Mail und suche ein Restaurant. Sollte nicht schwer sein, im Lonely Planet werden einige Läden empfophlen. Leider ist heute Freitag und neben den ganzen Touristen und Wanderern gehen auch die Einheimischen heute auswärts essen. Die Pizzeria ist voll und die Galley, eine Fish and Chips Bude, macht gerade zu. Doch ich muss sehr verhungert aussehen, denn der Koch, der schon seit früh morgens in der Küche steht hat ein Einsehen und macht für mich den letzten Burger des Abends. Die Gäste, die nach mir kommen, haben kein Glück mehr.
Auf der Fahrt zurück sehe ich einen schönen Sonnenuntergang über Lake Manapouri. Im Freestone ist wieder lustige Stimmung. El gibt viele Reisetipps an eine Britin und ich versuche einiges davon mitzunehmen. Dann nutzen wir den Laptop eines anderen Gastes, um Els Fotos von der Aurora anzusehen. Das war ein gewaltiges Schauspiel. Ich ärgere mich grün und lila (haha), das verschlafen zu haben. Vor dem Schlafengehen klettere ich nochmal auf den Hügel hinter dem Hostel, um das erste Mal auf dieser Reise den südlichen Sternenhimmel zu betrachten.
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