Donnerstag, 15.09.2005

Thamaga, Manyana

Der Morgen geht ziemlich schleppend dahin. Ich schlafe bis kurz nach 9 und bin ein wenig verkatert von den paar Drinks am Abend vorher. Chrissi ist auch nicht richtig fit, für sie war es das erste Mal abends ausgehen und Alkohol trinken seit mehreren Wochen. Erst gegen Mittag brechen wir zu unserem Ausflug auf. Wir wollen eine Tour in die Umgebung machen. Zuerst nach Thamaga, zu der Töpferei, deren Produkte schon für viele schöne Mitbringsel aus Botswana gesorgt haben. Danach soll es nach Manyana gehen. Dort gebe es, so Maame und Monica am Vorabend, einige Felsmalereien, die um die 2000 Jahre alt sein sollen. Das wollen wir uns auch ansehen. Auf dem Weg nach Manyana wollen wir dann noch bei Chrissis und Victors Grundstück in Mankgodi vorbeischauen. Bevor wir aufbrechen, packen wir noch eine große Kühlbox mit Getränken und Essen für eine Rast.

Die Fahrt nach Thamaga führt nach Westen aus Gaborone heraus. Sehr schnell lassen wir die Stadt hinter uns und fahren durch eine für mich immer noch fremde Gegend. Chrissi weist mich auf alle möglichen Häuser und Sehenswürdigkeiten am Straßenrand hin. Ich bin von der Landschaft beeindruckt. Schade, dass alles so karg ist im Moment. In der Regenzeit ist es hier bestimmt hübsch grün, doch momentan ist es vor allem staubig.

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Nach 45 Minuten erreichen wir die Thamaga Pottery. Auch dieses Geschäft kenne ich noch von 1990. Zumindest weiß ich noch, dass wir dort waren und dass ich ein kleines Rondabel gekauft habe, das eigentlich ein Kerzenhalter ist, für das ich aber niemals die passenden Kerzen gefunden habe. Das Angebot im Laden ist groß und deckt ungefähr alles ab, was man (außer Besteck) auf einen Tisch stellen kann. Ich mag die Dinge sehr und schleiche um einen Tisch mit Schüsseln herum. Während ich mich nicht entscheiden kann, kauft Chrissi ein paar kalte Getränke für uns bei der nicht besonders gut organisierten Verkäuferin. Schließlich entscheide ich mich für eine mittelgroße Schüssel mit blauer Glasur und einem Deckel. Ist hübsch gemacht und kostet 40 Pula. Auf der Terrasse vor der Pottery machen wir eine kurze Pause und trinken unsere Cola. Miles schläft friedlich in seinem Maxi Cosi. Etwas abenteuerlich ist die Kundentoilette der Pottery, aber immerhin gibt es eine.

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Thamaga Pottery

Auf dem Weg nach Manyana überqueren wir das Bett des Flusses, der durch den Ort fließt. Zuzeit führt er kein Wasser, lediglich einige größere Pfützen zeugen davon, dass hier manchmal ein Fluss ist. Wenn der allerdings Wasser führt, weiß ich nicht, wie man die Straße benutzen will, denn eine richtig hohe Brücke gibt es nicht.

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Flussüberquerung in Thamaga

Als wir Mankgodi durchqueren entscheiden wir uns spontan dagegen, dem Grundstück einen Besuch abzustatten. Es ist schon etwas spät und Chrissi möchte die übernächste Fütterung gerne zu Hause machen. Ist OK, dann fahren wir am Samstag auf dem Weg nach Kanye dort vorbei. Dann ist auch Victor dabei, was auch ganz nett ist.

Die Fahrt nach Manyana führt durch eine schöne Ebene. Rechts der Straße ist Busch, links ebenfalls, aber etwas weiter von der Straße entfernt zieht sich eine Hügelkette am Horizont entlang. Wir überlegen, ein Picknick zu machen, finden aber keinen richtigen Schattenplatz. Ein Baum an der Straße wirkt ganz geeignet, aber als wir das Auto darunter parken, passt es uns doch nicht mehr so richtig. In der Sonne ist es noch zu heiß. Wir verschieben das Picknick auf später und fahren die letzten Kilometer weiter nach Manyana.

Da Chrissi keine Ahnung hat, wo sich die Felsmalereien befinden und auch kein Hinweisschild zu sehen war, fahren wir immer der Teerstraße entlang, bis diese am Kgotla, dem traditionellen Platz in der Mitte des Dorfes, endet. Chrissi sagt, dass das eine gute Orientierung sei, wenn man den Kgotla sucht. Meistens endet die geteerte Straße an diesem Platz. So auch hier. Am Eingang des umzäunten Geländes ist ein kleiner Parkplatz mit einem Schatten spendenden Baum. Im Baum hängt die Haut einer Ziege. Chrissi tippt, dass das wohl mit einem Urteil zu tun haben könnte, das der Chief in einer Verhandlung gesprochen hat. Doch bevor ich die tote Ziege fotografieren kann, wird Miles ziemlich quengelig. Als ich ihn kurz festhalte, quillt es feucht aus seiner Hose. Eine neue Windel ist dringendst angesagt. Das Wickeln ist allerdings nicht ganz so einfach ohne eine Art Tisch.

Mittlerweile haben sich einige Einheimische am Kgotla versammelt. Ungefähr zehn Personen stehen und sitzen unter dem Baum vor dem Eingang. Aus der Diskussion kann Chrissi mit ihren Setswana-Kenntnissen grob schließen, dass man auf eine Verhandlung wartet. Chrissi fragt eine Frau, wo die Felsmalereien seien. Die Frau zeigt in einem groben 70 Grad Winkel Richtung Osten: "There.". Nicht unbedingt hilfreich. Aber noch sind wir auch mit Miles nicht ganz fertig und kümmern uns weiter darum, ihn wieder trocken zu legen. Etwas später kommt eine andere Frau, die uns anbietet, uns zu den Rock Paintings zu führen. Doch das ist nicht möglich, denn wir haben keinen Platz im Auto. Mit Kindersitz, Kinderwagen und Kühltruhe sind alle Plätze im Golf belegt. Diese Frau kann uns aber immerhin ein wenig besser sagen, wo wir lang fahren müssen. In gebrochenem Englisch erklärt sie uns, dass wir bis zum Ende der Teerstraße fahren sollen. Dann noch ein wenig und dann spielen Kinder auf der Straße, die wir weiter fragen sollen. OK, wir machen uns auf den Weg. Das Ende der Teerstraße finden wir problemlos, aber dann geht der Plan schief, weil keine Kinder auf der Straße spielen. Ich frage zwei Männer auf einer Terrasse, wo wir hin müssen. Der Tipp "4 Häuser zurück und dann rechts" ist nicht hilfreich, da wir nicht sagen können, was für den Mann ein Haus ist. Zählen die kleinen Hütten als Haus, oder bezieht er sich auf befestigte Wohnhäuser? Auf jeden Fall werden aber jetzt doch einige Kinder auf uns aufmerksam. In gut verständlichem Englisch zeigen sie uns ganz schnell den Weg, wir waren nicht weit von dem richtigen Seitenweg entfernt.

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Manyana Rock Paintings: Schwer zu finden und gut bewacht.

Das Areal um den bemalten Felsen herum ist eingezäunt. Eine Angestellte des Staates wartet in ihrer kleinen Hütte auf Besucher. Wir fragen Sina, warum denn kein Schild an der Straße auf diese Sehenswürdigkeit hinweist. Sie zeigt auf ein Schild, das auf dem Boden liegt und sagt, dass vielleicht in den nächsten vierzehn Tagen jemand vorbeikäme, der das Schild dann aufstellt. Sie ist sehr freundlich und führt uns herum, von Bild zu Bild. Sie wirkt etwas deplatziert, wie sie mit ihren hohen Absätzen über die Felsen steigt. Aber sie hat zu jedem Bild etwas zu sagen und beantwortet unsere Fragen gerne. Doch ich werde den Eindruck nicht los, dass sie sich mehr für Miles interessiert, als wir uns für ihre Felsmalereien. Die sind archäologisch bestimmt eine Wucht, aber so richtig mitreißend sind sie auch nicht. Bevor wir uns nach zwanzig Minuten verabschieden, muss ich uns noch in zwei große Bücher eintragen. Das eine kommt mir bekannt vor: Es ähnelt dem Besucherbuch aus dem Parlament gestern. Zwar brauche ich heute nicht meine Passnummer einzutragen, wofür aber Privatadresse, Autonummer und Geburtsdatum vonnöten sind, ist mir schleierhaft. Bin kühn und lasse die Felder frei. Ins Gästebuch trage ich auch noch etwas Nettes ein. Dabei stelle ich fest, dass die letzten Besucher vor drei Tagen hier waren. Soviel zu "We get a lot of visitors here", wie sie am Anfang sagte.

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Sina führt uns zu den Felsmalereien. Etwas abstraktere Kunst. Hier eine Gazelle zu entdecken, erinnert an die 3D-Bilder aus den frühen Neunziger Jahren.

Auf der Rückfahrt nach Gaborone kommen wir dann doch noch zu unserem Picknick. Ungefähr an der Stelle, wo wir es schon auf der Hinfahrt versucht haben, finden wir doch noch einen hübschen Baum und machen es uns im Busch so bequem wie möglich. Es gibt belegte Brote und Wasser. Gut, dass wir diese Kühlbox dabei haben.

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Picknick mitten im Busch
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Für den Rückweg nach Gaborone wählen wir einen anderen Weg. Dies sei die Straße, die man früher nach Kanye gefahren sei, als es die direkte Verbindung noch nicht gab. Wenn das so ist, bin ich hier 1990 einige Male entlanggefahren. Aber ich erkenne nichts wieder. Kurz vor der Dunkelheit erreichen wir Gaborone wieder. im Pick n' Pay in der Molapo Mall kaufen wir noch ein paar Dinge für's Abendessen ein. Miles wacht kurz vor den Kassen im Supermarkt auf und macht eine ziemliche Szene, bis wir zu Hause sind. Zum Glück ist der Weg aber nicht mehr weit. Abends passiert gar nichts mehr mit uns.


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