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So müde ich am Vorabend war, so wach bin ich gegen 6 Uhr morgens. Ob ich doch ein wenig Jet-Lag abbekommen habe? Die nächsten Tage werden es zeigen. Vor dem Aufstehen lese ich "The No. 1 Ladies' Detective Agency" zu Ende. Hat mir gut gefallen. Muss mal schauen, dass ich auch an die anderen Bücher aus dieser Reihe herankomme. Als die Kinder wach werden, stehe ich auch auf.
Während ich anfange, meine Sachen zu packen, fährt Björn nochmal kurz in die Werkstatt. Gegen 9 Uhr ist er wieder da und wie brechen auf zum Hamilton International Airport (HLZ). Es ist ein schönes Gefühl, dass ich nochmal nach Raglan zurückkehren werde. Björn freut sich auch. Es scheint, als ob er ursprünglich etwas enttäuscht war, dass ich nur so kurz in Raglan sein würde. Außerdem kann ich so ein paar Dinge in Raglan lassen, die ich -- hoffentlich -- nicht unbedingt brauchen werde: Winterjacke und Schal von der Hinfahrt zum Beispiel.
In Hamilton fahren wir zuerst beim Vodafone Shop vorbei. Björn möchte einen Mobilfunkvertrag abschließen und ich will eine Prepaid-Karte kaufen. Das internationale Roaming mit E Plus ist unbezahlbar und die die Prepaid Tarife im Motormouth Paket sind erstaunlich günstig. Kein Vergleich zu Deutschland. Dafür sind die Telefone auch nicht so hoch subventioniert wie bei uns. Wir philosophieren lange darüber, welche der angebotenen neuen Telefonnummern Björn nehmen sollte. Alle tollen und einfachen Nummern sind schon vergeben. Schließlich entscheidet er sich doch für eine. Meine Nummer hingegen finde ich recht einfach. Die 21 für Vodafone ist Standard, dann folgt eine 202 (wie die Vorwahl für Wuppertal) und die restlichen Ziffern 5169 kann ich mir auch gut merken. Die Zeit wird langsam entwas knapp und so fahren wir recht zügig die 10 Kilometer nach Südwesten aus der Stadt heraus zum Flughafen.
Eine knappe Dreiviertelstunde vor dem Abflug erreichen wir den Terminal. Beim Check In schaut mich die Air New Zealand Mitarbeiterin mit großen Augen an: Hat man mich denn nicht benachrichtigt? Der Flug nach Christchurch ist abgesagt, es gibt "engineering problems". Sie könne mich auf einen späteren Flug buchen, der allerdings kein non-stop Flug nach Christchurch ist, sondern eine Zwischenlandung in Wellington macht. Mit dieser Verbindung würde ich Queenstown um 16:50 erreichen, statt wie geplant gegen 14:30 Uhr. Etwas anderes bleibt mir wohl nicht übrig. Netterweise lässt sie mich noch kurz telefonieren, damit ich die Autovermietung benachrichtigen kann. Einer der Mitarbeiter wollte mich vom Flughafen abholen. Ist aber kein Problem, wir verabreden uns gegen 17 Uhr an der Gepäckausgabe. Ein wenig blöd ist auch, dass ich noch keine Unterkunft in Queenstown habe. Ob ich so spät noch ein gutes Zimmer bekommen werde? Auf jeden Fall ist es ein glücklicher Zufall, dass Björn noch mit zum Check in in den Terminal gekommen ist, ansonsten säße ich jetzt hier allein und könnte mir die Zeit an diesem Provinzflughafen um die Ohren schlagen.
Also fahren Björn und ich nochmal in die Stadt zurück, denn auf einmal haben wir noch zweieinhalb Stunden mehr Zeit. Im "Machina" auf der London Street gegenüber der Kirche entscheiden wir uns für ein zweites Frühstück oder frühes Mittagessen. In diesem etwas dunklen Café hat Björn die Theke und Tische gebaut. Bei Sandwiches, Kaffee und Tee erzählt Björn, dass der Besitzer des Ladens eine zeitlang die Bibelzitate auf dem Billboard der Kirche in seinem Fenster ausgehängt hat -- wobei er jedesmal "God" mit "coffee" ersetzt hat. Außerdem fällt mir auf, dass bei einigen Tischen an der Unterseite kleine Lacktropfen, ja vielmehr kleine Lackstalagtiten hängen. Das sei aber nicht seiner Handwerkskunst anzukreiden sagt der Tischler, sondern der Eile des Auftraggebers.
Nach dem Essen fahren wir zu einem Elektro-Großhandel, da Björn eine Lampenfassung braucht und ich bisher noch keinen Steckeradapter für den mitgebrachten Elektronikzoo gekauft habe. Ist übrigens schon interessant, in welchem Maße die Menge der Reiseelektronik wächst. Zu Kamera und Telefon, die ich ja schon vor zwei Jahren hatte, hat sich dieses Jahr noch der iPod gesellt, der auch wieder mit Kabeln und Netzteil daher kommt. Für $5 kaufe ich einen einfachen und robusten Adapter. Bei der großen Kette Dick Smith Electronics bezahlt man für ein hässlicheres Gerät dieser Art das dreifache.
Dann geht's wieder zum Flughafen. Dieses Mal kommt Björn nicht mehr mit rein. Habe noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Einsteigen um 13 Uhr. Im Abflugbereich beginne ich mit dem Reisetagebuch (hänge ja schon fast vier Tage hinterher...) und spiele mit dem Telefon herum. Während des Flugs in der ATR 72-500 ist es etwas bewölkt, sodass der schöne Blick auf das Central Plateau dieses Mal leider ausbleibt. Nur der Schnee bedeckte Gipfel des Mt. Ruapehu mit seinem Kratersee ist gut zu sehen.
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| Flug NZ5087 von HLZ nach CHC via WLG |
Die Landung in Wellington (windy Wellington, remember?) wegen des starken Windes sehr holprig und mir wird von der Schaukelei etwas übel. Beim Heranfahren an die Halteposition sehe ich auf dem Dach des Terminals bei Gate 21 die große Gollum Figur, die vor zwei Jahren das Embassy Theatre schmückte. Hier muss man während des Zwischenhaltes nicht aussteigen und ich bleibe an Bord.
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| Gollum: Doch nicht in den Krater gefallen, findet Precioussss nun am Flughafen von Wellington. |
Die neuen Passagiere steigen ein, der Flug nach Christchurch ist ausgebucht. Während des Fluges blicke ich auf den etwas öden Pazifik, während die Passagiere auf der rechten Seite eine tolle Sicht auf die Southern Alps haben. Die Landung in Christchurch ist zwar nicht so ruckelig wie in Wellington, aber auch nicht ohne. So ein kleines Flugzeug ist einfach viel windempfindlicher als ein Jet, das merkt man besonders bei Starts und Landungen. Ein Detail: Air New Zealand hat massiv an der Kostenschraube gedreht: Statt in stabilen Plastikbechern wie vor zwei Jahren wird das Heißgetränk während des Flugs nun in einem schnöden Pappbecher gereicht.
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| Landeanflug auf Christchurch: New Brighton und Sumner | Weiß leider nicht, welcher Fluss da aus den Bergen hinausfließt. |
Ab Christchurch startet das letzte Teilstück der Flugreise: Es geht weiter bis Queenstown. Die Flugnummer ist zwar eine andere, das Flugzeug aber dasselbe. Nicht lang nach dem Start drehen wir nach Westen ab. Die Landschaft auf der Südinsel ist schon auf den ersten Blick ganz anders als im Norden. Hier auf der Westseite gibt es keine großen Weide- und Ackerflächen. Dafür ist alles eingerahmt von hohen Bergen, auf denen selbst um diese Jahreszeit noch ein wenig Schnee liegt. Queenstown liegt am Lake Wakatipu, einem langen, schmalen See. Der Anflug ist sehr schön, wenn auch bewölkt.
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| Die Southern Alps | Landeanflug auf Queenstown: Lake Wakatipu im Hintergrund |
Am Flughafen laufe ich Jim von der Autovermietung NZ Rent A Car in die Arme. Während wir auf mein Gepäck warten, erledigen wir die Formalitäten. Dann führt er mich zu meinem Auto auf dem Parkplatz. Der Toyota Corolla sieht von außen recht ordentlich aus, doch leider fehlt die Abdeckung des Kofferraums. Also fahren wir kurz zu Jim nach Hause, wo er die etwas ramponierte aber passende Abdeckung aus einem Schuppen hervorzaubert.
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| Wir werden 12 Tage lang unzertrennlich sein |
In der Stadt versuche ich über das Information-Centre ein Zimmer zu finden, doch der Kollege dort ist wenig hilfreich und empfiehlt mir, die Shotover Street hinabzugehen und die Hostels selbst aufzusuchen. Stattdessen gehe ich runter zum Seeufer und suche die Nummern aus dem Lonely Planet heraus. Diese Art Anrufe werden in den nächsten Tagen sehr zur Routine werden. Direkt beim ersten Anruf werde ich fündig. In der Hippo Lodge ist sogar noch ein Einzelzimmer frei. Ich mache mich direkt auf den Weg dorthin. Dort angekommen kaufe ich als erstes die BBH Card, um in den Hostels dieses Verbandes preiswerter übernachten zu können. Außerdem nehme ich mir noch das Verzeichnis der Backpacker, denn das hat sich schon beim letzten Mal sehr bewährt. Ich beziehe mein Dreierzimmer mit schönem Blick auf den See, das ich heute allein für mich habe.
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| Hippo Lodge, 4 Anderson Heights, Queenstown | Queenstown, Lake Wakatipu vom Hostel aus fotografiert. |
Etwas ratlos sitze ich eine Stunde herum und frage mich, was ich denn in den nächsten eineinhalb Wochen überhaupt machen möchte. Außer einer Gletscherwanderung am Franz-Josef Gletscher oder dem Fox Gletscher habe ich gar kein festes Ziel geplant. Es steht nur fest, dass ich am 21.11. in Greymouth den Leihwagen abgebe und an diesem Tag mit dem TranzAlpine nach Christchurch fahren werde. Auch diese Ziellosigkeit ist ein Gefühl, dass ich in den nächsten Tagen das ein oder andere Mal versprüren werde. Nach einigem uninspiriertem Blättern im Lonely Planet und dem Reiseführer entscheide ich, morgen nach Manapouri zu fahren und von dort aus den Doubtful Sound zu besuchen. Im BBH Guide ist ein gut bewertetes Hostel an diesem Ort beschrieben. Ein schneller Anruf bei Jimmy im Freestone Backpacker bucht mir das Einzelzimmer für eine Nacht. Nun bin ich etwas entspannter und gehe in die Stadt zum Essen. Der im LP empfohlene Fernburger ist in einer derart kleinen Seitenstraße, dass ich fünfmal an der Straße vorbeigehe, bis ich sie endlich finde. Schließlich entpuppt er sich als ein Imbiss ohne Lokal und nicht als ein Café oder Restaurant. Bin genervt und habe ich keine Lust mehr, ein anderes Restaurant zu suchen und gehe in die kleine und fiese Subway Filiale. Hinterher checke ich noch meine Email im Internet Outpost und gehe ins Hostel zurück.
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| Queenstown in der Abenddämmerung |
Dort ist in der Lounge neben meinem Zimmer eine typische Backpacker Diskussion zwischen einem deutschen Paar aus München (wobei nur ihre Stimme zu hören ist und er nur ab und zu bestätigende Floskeln einwerfen darf) und einem etwas protzigen Anglo-Italiener im Gange. Darauf habe ich gar keine Lust, bleibe im Zimmer und gehe irgendwann schlafen. Die Leute nebenan zum Glück auch.
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