Dienstag, 16.11.2004

Dunedin bis Twizel

Noch vor dem Wecker, den ich auf 7 Uhr gestellt habe, werde ich wach. Die Fahrt zum Mt. Cook Village ist auf der Landkarte mit etwa fünf Stunden Dauer angegeben. Das möchte ich nicht an einem Stück fahren, also soll es früh losgehen, damit unterwegs noch Zeit für Pausen ist. Den Rucksack hatte ich schon am Vorabend gepackt, sodass ich nur noch die Kleinigkeiten ins Auto tragen muss. Komme auch einigermaßen früh los. Frühstück werde ich in Oamaru essen, ca. eine Stunde nördlich von Dunedin an der Küste.

Auf dem Weg aus der Stadt heraus halte ich noch am großen Countdown Supermarkt an und kaufe Lebensmittel für Frühstück und Abendessen der nächsten Tage. Außerdem fülle ich Keks- und Wasservorräte für tagsüber auf. Leider hat selbst dieser Riesensupermarkt nicht die leckeren Riegel aus Queenstown. Ob ich die wohl jemals nochmal finde? Schnell noch volltanken und dann los.

Die Straße nach Oamaru ist erstaunlich leer. Ich hatte gedacht, dass es wenigstens an einem halbwegs frühen Morgen -- es ist gerade mal Viertel vor neun -- so etwas wie Berufsverkehr gibt. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, zum Teil führt sie direkt an der Küste entlang. In Oamaru halte ich an und versuche, eine Bäckerei zu finden, was auf den ersten Blick gar nicht so einfach ist. In einer Seitenstraße werde ich doch noch fündig und erstehe ein dick belegtes Brötchen. So ein Kurzfrühstück im Auto ist nicht das Wahre, aber ich habe noch einen langen Weg vor mir.

Kurz hinter Oamaru verlasse ich den Highway 1 und biege auf eine kleinere Straße nach Westen ab. Schon bald sind am Horizont die ersten Höhenzüge zu sehen. Gegen Mittag merke ich deutlich, dass ich heute sehr früh aufgestanden bin: werde müde und unaufmerksam. In Kurow mache ich eine längere Pause am Stausee eines Wasserkraftwerks. Der See hat eine wunderbar türkise Farbe.

Thumbnail zu img_0709.jpg (Öffnet neues Fenster)
Waitaki River bei Kurow

Nach einer halben Stunde fühle ich mich ausreichend erfrischt und fahre weiter. Am frühen Nachmittag halte ich kurz vor der Abzweigung nach Mt. Cook nochmal zum Tanken. Alle Reiseführer legen dringend nahe, sich nur mit vollem Tank auf den Weg zu machen, da es in Mt. Cook keine Tankstelle gibt. Doch für mehr als 10 Cent über dem üblichen Preis tanke ich nicht und hoffe, in Twizel, der letzten Stadt vor dem Mt. Cook Village, eine günstigere Tankstelle zu finden. Das gelingt auch, und glücklicherweise ist das Benzin hier deutlich billiger als ein paar Kilometer weiter südlich.

Thumbnail zu img_0713.jpg (Öffnet neues Fenster) Thumbnail zu img_0714.jpg (Öffnet neues Fenster)
In der Nähe von Twizel. Lake Ruataniwha

Auf den letzten 60 Kilometern nach Mt. Cook passiere ich den Lake Pukaki. Der Anblick des Sees ist faszinierend. Das Wasser ist stechend blau, fast schon eher türkis. Trotz des starken Windes liegt der See recht ruhig da. An einem Parkplatz halte ich an, um ein paar Fotos zu machen. Nach kurzer Zeit komme ich mit einem jungen Mann ins Gespräch, der gerade mit seinem Backpacker-Bulli aus dem Mt. Cook Village kommt. Er ist auch Deutscher, Hamburger sogar. Wir stellen fest, dass er sogar eine Zeit lang auf meiner Straße gewohnt hat. Nach der Erfahrung mit der Osnabrücker Bulgarin fühle ich mich nun etwas verfolgt. Jedenfalls erzählt er, dass das wunderbare Wetter schon kurz hinter dem Parkplatz umschlagen werde und dass er Mt. Cook gar nicht zu Gesicht bekommen hat. Das sind trübe Aussichten. Etwas demotiviert mache ich mich auf den Weg, Schon nach wenigen Kilometern setzt der Sonnenschein aus, es wird diesig, sogar neblig und schließlich muss ich die Scheibenwischer einschalten, als es anfängt zu regnen.

Thumbnail zu 0715-0717result.jpg (Öffnet neues Fenster)
Lake Pukaki
Thumbnail zu img_0721.jpg (Öffnet neues Fenster)
Wenige Kilometer weiter in Richtung Mt. Cook.

Mt. Cook Village

Die Straße führt in ein langes Tal, das von Bergketten eingefasst ist. Schließlich passiere ich den kleinen Flughafen von Mt. Cook Village. Ein paar Kilometer weiter taucht auch das Dorf aus dem Nebel auf. Es wird dominiert vom Hermitage, dem größten Hotel am Platz, das dicht an den Fels gebaut ist. Der Rest des Dorfes liegt still in der Ebene des Tals. Die Häuser sind alle sehr flach und irgendwie wirkt alles sehr trist, was nicht nur am Regen liegt, sondern auch daran, dass braun und dunkelgrün die vorherrschenden Farben sind.

Das YHA Hostel, in dem ich für zwei Nächte unterkomme, zu finden ist nicht schwer. Hier fängt auch ein etwas anderer Backpacker-Urlaub an als bisher: Ich nehme das letzte freie Bett in einem Achterzimmer und packe meine Vorräte in der Küche in ein Fach in der Regalwand. Nichts mehr mit Einzelzimmer und ausschließlich auswärts essen... Die Küche ist gut ausgestattet und auf einen großen Durchsatz an Besuchern ausgerichtet. Es gibt viele Kochstellen und Spülbecken. Der Essbereich sieht gemütlich aus und im Gasofen in der Sitzecke glimmen falsche Holzscheite. Das Hostel macht einen wohnlichen Eindruck, auch wenn man sofort merkt, dass es sich nicht um einen kleinen Familienbetrieb handelt. Die Lounge nutze ich am Nachmittag ausgiebig. Den Plan, am Nachmittag noch einen kurzen Walk zu unternehmen, lasse ich sausen. Das Wetter ist einfach zu hoffnungslos. Immerhin komme ich endlich mal dazu, ein paar Seiten in "Middlesex" zu lesen, das ich bislang nur mit mir herumgeschleppt habe, ohne einen Blick reinzuwerfen.

Thumbnail zu img_0874.jpg (Öffnet neues Fenster) Thumbnail zu img_0872.jpg (Öffnet neues Fenster) Thumbnail zu img_0867.jpg (Öffnet neues Fenster)
Mt. Cook YHA Hostel Das Wohnzimmer Anthony in der Küche

Im Zimmer spricht mich der junge Mann im Bett unter mir an. Er fragt, ob ich Schweizer sei, da ich einen Mammut-Rucksack habe. Unter Schweizern sei das im Ausland ein deutliches Erkennungszeichen. Doch wird sind keine Landsleute. Er kommt aus der Gegend von Lausanne, wir sprechen Englich miteinander. Anthony leiht mir seine DOC-Karte, in der die örtlichen Walks verzeichnet sind. Am frühen Abend bereite ich in der Küche mein erstes selbstgekochtes Backpacker-Abendessen zu: Nudeln mit grünem Pesto. Schmeckt gruselig: Das ist das fieseste Pesto, das ich jemals gegessen habe. Brrr...

Später sitze ich im Esszimmer und versuche, die deutsche Jugendgruppe zu ignorieren, die glaubt, dass der Raum ihnen gehört. Anthony kommt dazu und setzt sich zu mir. Er hat gerade die Schule abgeschlossen und reist vor seinem Militärdienst und dem Studium durch Australien und Neuseeland. Wir verabreden uns, am nächsten Morgen gemeinsam den Track zum Kea Point zu laufen und vielleicht noch den Sealy Tarns Track zu begehen. Nach ein paar weiteren Tagebucheinträgen gehe ich ins Bett.


Copyright (c) 2004/2005 Alexander (reiseberichte@barmblognord.com).
This work is licensed under a Creative Commons License.
Creative Commons License
Valid XHTML 1.0! Valid CSS!
http://barmblognord.com