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Vollkommen übermüdet nach einer langen Nacht mit wenig Schlaf stehe ich um halb neun auf und fange an, meine Sachen zusammenzupacken. Um 11 Uhr soll mich das Shuttle abholen, aber bis dahin ist noch eine Menge Zeit für ein ausgedehntes Frühstück in der gemütlichen Küche. Zeit genug ist zwar, aber Lebensmittel habe ich kaum mehr. Zum Glück lädt mich Angelika großzügig ein. Es ist ihr letzter Tag in Neuseeland und so muss auch sie ihre Vorräte loswerden. Außer uns sind noch zwei andere Deutsche in der Küche. Es wird ein netter Vormittag.
Um kurz vor elf Uhr fährt der kleine Shuttle Bus vor und es heißt Abschied zu nehmen von diesem wunderbaren Hostel und seinen Bewohnern. Schade, hier könnte ich es noch ein wenig länger aushalten. Die Fahrt zum Flughafen führt über eine ewig lange, kurvenfreie Hauptstraße aus der Stadt heraus. Der Airport liegt zwanzig Minuten entfernt von der Chester Street. Der Domestic Terminal ist hektisch. Dass ich das Treiben hier als Hektik empfinde, mag auch daran liegen, dass ich fast im Stehen einschlafe. Zum Einchecken finde ich schnell, es ist auch keine Schlange da. Nun habe ich noch fast eine halbe Stunde, die ich damit verbringe, durch die DVD- und CD-Angebote des kleinen Ladens in der Abflughalle zu blättern. Mit der Trainspotting DVD in der Hand überlege ich, ob das selbst auferlegte Buchkaufverbot auch für DVDs gilt. Nein, eher nicht, außerdem gibt es in Deutschland ja nur eine doofe DVD Fassung in 4:3 und ohne englischen Ton. Die hier ist besser und auch nicht so teuer, also wird sie gekauft.
Der Flug nach Hamilton via Wellington ist ausgebucht. Kaum, dass wir in der Luft sind, übermannt mich der Schlaf. So sehe ich leider nichts von der Landschaft, aber zumindest beim Start in Christchurch war es auch bewölkt und regnerisch. Die Zwischenlandung in Wellington ist verhältnismäßig ruhig. Ich fliege zwar wieder in einer ATR-72, aber heute scheint es weniger windig zu sein als auf dem Hinflug, auf dem mir doch etwas übel geworden ist. In Wellington bleibt es uns überlassen, ob wir während der zwanzig Minuten Wartezeit im Flugzeug bleiben oder nicht. Ich bin froh über jeden Schritt, den ich nicht tun muss. Außerdem ist es egal, ob ich im engen Flugzeug oder im engen Wartebereich des Terminals sitze. Also bleibe ich als einziger Passagier sitzen. Auch auf dem Weiterflug ist die Maschine voll. Das Start-Schlaf-Muster des ersten Teilstücks wiederholt sich auf dem Weg nach Hamilton.
In Hamilton ist es deutlich wärmer als auf der Südinsel. Björn steht bereit in der Flughafenhalle und wir fallen uns in die Arme. Es ist früher Nachmittag, Björn hat nichts mehr in Hamilton zu tun, also bleibt uns Zeit, die Einkäufe zu erledigen, um die Kim ihn gebeten hat. Auf dem Weg in die Innenstadt halten wir kurz am holländischen Käseladen und kaufen Schwarzbrot, Gouda und grobe Würstchen, die Björn zum Grünkohl kochen möchte. Klar, November, Grünkohlzeit! Danach halten wir kurz an einem Spielzeuggeschäft an. Da Noah schon wieder sein Zimmer räumen wird, möchte ich mich wenigstens ein bisschen erkenntlich zeigen und ihm ein Geschenk mitbringen. Ich kaufe einen Lego Knight, von denen hat er schon zwei, aber den roten hat er noch nicht. Björn meint, dass sei eine gute Idee, sein Sohn wird sich bestimmt darüber freuen.
Dann machen wir noch Station im Coutdown-Supermarkt. Das ist ein schöner Supermarkt: groß, gut sortiert und um diese Tageszeit schön leer. Was die Supermärkte sehr von den Läden zu Hause unterscheidet, ist, dass die Person an der Kasse die Einkäufe sofort in Platiktüten verpackt. Ist zwar eine sehr zweifelhafte Plastikverschwendung (es gibt mittlerweile auch stabile Mehrwegbeutel!), aber zeigt mal wieder in welchen Details sich Deutschland vom angelsächsisch geprägten Raum unterscheidet. Wir kaufen groß ein, auch Dinge für mein gebackenes Hühnchen, dass es an einem der nächsten Tage geben soll. Einmal mindestens möchte ich schon für meine Gastgeber kochen.
Auf der Fahrt nach Raglan gibt es natürlich eine Menge zu erzählen. Björn berichtet zum Beispiel, dass in zwei Tagen, Freitag nacht, in Hamilton eine Statue von Richard O'Brien, dem Autor der Rocky Horror Show, enthüllt wird. Der Mann hat in den sechziger Jahren, als er das Stück schrieb, in Hamilton gewohnt. Keine Frage, dass wir uns das nicht entgehen lassen wollen.
Beim Versuch, Noahs Zimmer für ein paar weitere Tage in Beschlag zu nehmen, gibt es diplomatische Verstimmungen. Noah meint, dass ich auch ganz gut auf der Matratze bei seinen Eltern schlafen könne, dann brauche er sein Zimmer nicht zu räumen. Dabei wird er ein wenig stinkig. Den Lego Knight wird er also erst morgen bekommen, wenn er sich ein wenig beruhigt hat.
Der Rest des Tages verläuft seeeehr langsam. Ich hänge rum, packe eine Rucksackladung schmutzige Wäsche in die Maschine und schaue die Fotos der letzten zwei Wochen auf Björns Computer an. Abends kocht Kim und wir essen zu Hause. Trotzdem fahren wir noch ins Tongue & Groove Café in den Ort: Familie Garside-Ledwig hat keinen Espresso mehr. Zum Nachtisch gibt es für mich dort ein Riesenstück Schokokuchen.
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| Nico G. und ich. |
Zu Hause gibt es nur noch das Bett. Und zwar schnell.
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